Veröffentlicht am Mai 15, 2024

Entgegen der Annahme, es reiche, einzelne Schadstoffe zu meiden, ist die wahre Herausforderung der «Cocktail-Effekt» – die Summe aller Chemikalien aus Kosmetik und Nahrung.

  • Echte Naturkosmetik wird durch strenge Siegel wie NATRUE oder COSMOS garantiert, nicht durch blumige Werbeversprechen.
  • Ihre Haut durchläuft eine sichtbare Entgiftungsphase (Erstverschlimmerung), wenn Sie auf Silikone verzichten – ein Zeichen der Heilung.

Empfehlung: Behandeln Sie Ihre Haut wie Ihren Körper: Achten Sie auf die Gesamtbelastung durch Chemikalien und setzen Sie auf zertifizierte, nährstoffdichte Produkte, anstatt nur einzelne Inhaltsstoffe zu verteufeln.

Immer mehr Menschen in der Schweiz achten bewusst auf eine gesunde Ernährung und möchten Pestizide und unnötige Zusatzstoffe meiden. Doch diese Achtsamkeit endet oft vor dem Badezimmerspiegel. Viele Produkte, die mit Begriffen wie «natürlich» oder «pflanzlich» werben, sind bei genauerer Analyse weit von echter Reinheit entfernt. Wir machen uns Gedanken über den Apfel, den wir essen, aber selten über die Creme, die stundenlang auf unserer Haut verbleibt, unserem grössten Organ.

Die üblichen Ratschläge – «vermeiden Sie Parabene» oder «achten Sie auf Silikone» – greifen zu kurz. Sie behandeln Symptome, aber nicht die Ursache des Problems. Das eigentliche Risiko liegt nicht in einem einzelnen Inhaltsstoff, sondern im sogenannten Cocktail-Effekt: der kumulativen Belastung durch Dutzende verschiedener synthetischer Substanzen aus Duschgel, Shampoo, Lotion und Make-up, die sich Tag für Tag summieren.

Wenn wir die Haut als ein hochsensibles Verdauungssystem begreifen, das Nährstoffe aufnimmt, aber auch durch Schadstoffe belastet wird, ändert sich unsere Perspektive fundamental. Es geht nicht mehr darum, eine oberflächliche Checkliste abzuhaken. Es geht darum, die Logik hinter echten Naturprodukten zu verstehen und Greenwashing zielsicher zu entlarven. Dieser Artikel verfolgt genau diesen Ansatz: Er gibt Ihnen das analytische Rüstzeug eines Chemikers und die hautschonende Perspektive eines Dermatologen, um fundierte Entscheidungen für Ihre Hautgesundheit zu treffen.

Wir werden gemeinsam analysieren, warum die Summe der Chemikalien entscheidend ist, wie Sie verlässliche Siegel entschlüsseln, was bei der Umstellung auf silikonfreie Pflege wirklich in Ihrer Haut passiert und wie Sie sogar mit einfachen Küchenzutaten wirksamere Produkte herstellen können als viele gekaufte Alternativen. Entdecken Sie, wie Sie Ihre Haut wirklich nähren, anstatt sie nur zu belasten.

Warum sollten Sie Mikroplastik und Parabene nicht auf Ihre Haut schmieren?

Aus dermatologischer Sicht sind Mikroplastik, Parabene und Silikone nicht nur Füllstoffe ohne Nährwert; sie sind eine Belastung für das Ökosystem Ihrer Haut. Mikroplastik in Peelings führt zu mikroskopisch feinen Verletzungen der Hautbarriere und öffnet Tür und Tor für Entzündungen. Silikone legen sich wie eine Plastikfolie auf die Haut. Sie gaukeln ein sofortiges Glättegefühl vor, doch darunter erstickt die Haut buchstäblich. Die natürliche Talgproduktion wird gestört, Poren verstopfen und die Fähigkeit der Haut, sich selbst zu regenerieren und zu atmen, wird unterbunden. Die Bioverfügbarkeit, also die Fähigkeit der Haut, einen Stoff zu verwerten, ist bei diesen synthetischen Stoffen gleich null.

Parabene wiederum werden als Konservierungsmittel eingesetzt und stehen im Verdacht, das Hormonsystem zu beeinflussen. Obwohl die Mengen in Einzelprodukten oft als unbedenklich eingestuft werden, ist es die tägliche Summe aus verschiedenen Quellen, die bedenklich ist – der bereits erwähnte Cocktail-Effekt. Die Belastung ist nicht nur theoretisch. Der Eintrag von Plastik in die Umwelt hat längst auch die Schweiz erreicht. So gelangen allein in den Genfersee jährlich rund 55 Tonnen Plastik, wie ein Bericht von OceanCare aufzeigt – ein Teil davon stammt aus Kosmetikprodukten, die wir täglich abwaschen.

Um diese Stoffe zu meiden, sollten Sie bei der INCI-Liste (Internationale Nomenklatur für kosmetische Inhaltsstoffe) auf Begriffe achten, die auf „-cone“, „-conol“ oder „-xane“ enden (Silikone) sowie auf „-paraben“. Apps wie CodeCheck, die in der Schweiz sehr verbreitet ist, können hier eine schnelle Hilfe beim Einkauf bieten. Doch der sicherste Weg ist, auf Produkte zu setzen, deren Philosophie von Grund auf den Verzicht auf solche Stoffe vorsieht.

Natrue oder Ecocert: Welches Label garantiert wirklich Pflanzenkraft?

Der Begriff «Naturkosmetik» ist rechtlich nicht geschützt. Jeder Hersteller kann sein Produkt als «natürlich» bezeichnen, selbst wenn es nur einen Tropfen Pflanzenextrakt inmitten eines Meeres aus synthetischen Stoffen enthält. Dieses Greenwashing macht es für Konsumenten extrem schwierig, echte Qualität zu erkennen. Hier kommen unabhängige Zertifizierungen ins Spiel. Sie sind keine Marketing-Gags, sondern rechtsverbindliche Standards, die von externen Stellen kontrolliert werden. Für den Schweizer Markt sind vor allem die Siegel NATRUE und COSMOS von Bedeutung.

Diese Siegel garantieren nicht nur den Verzicht auf Erdölderivate, Silikone, Parabene und synthetische Duftstoffe, sondern stellen auch strenge Anforderungen an die Herkunft der Rohstoffe, deren biologische Abbaubarkeit und die umweltfreundliche Herstellung. Wie die Schweizer Journalistin Anna Mandozzi in einem SRF-Interview treffend bemerkte: «Generell gilt ein Produkt als Naturkosmetik, wenn es keine synthetischen und schädlichen Inhaltsstoffe hat. Doch das ist ein grosser gemeinsamer Nenner.» Echte Siegel gehen weit darüber hinaus und definieren genau, was «natürlich» bedeutet.

Verschiedene Naturkosmetik-Siegel auf Schweizer Produkten

Der Hauptunterschied zwischen den Labels liegt oft im geforderten Mindestanteil an Bio-Rohstoffen. Während einige Labels bereits einen hohen Anteil an natürlichen Zutaten zertifizieren, verlangen die strengsten Siegel wie Demeter, dass ein Grossteil dieser natürlichen Zutaten auch aus kontrolliert biologischem oder biodynamischem Anbau stammt. Dies stellt die höchste Stufe der Qualität und Nachhaltigkeit dar.

Die folgende Tabelle gibt einen Überblick über die wichtigsten in der Schweiz erhältlichen Siegel und ihre Kriterien, basierend auf einer umfassenden Analyse von Zertifizierungsstandards.

Vergleich der wichtigsten Naturkosmetik-Siegel
Siegel Mindestanteil Bio Verbotene Stoffe Besonderheiten
NATRUE Biokosmetik 95% der natürlichen Inhaltsstoffe Silikone, Parabene, Mikroplastik, synthetische Duftstoffe 75%-Regel: Mindestens 75% der Markenprodukte müssen zertifiziert sein
COSMOS Organic 95% der pflanzlichen Rohstoffe Erdölderivate, Silikone, PEG, synthetische Farb- und Duftstoffe Internationaler Standard von 5 Zertifizierern
Demeter 90% aus Demeter-Anbau Alle synthetischen Stoffe Strengste Richtlinien, biodynamischer Anbau

Warum blüht Ihre Haut erst auf, wenn Sie die Silikone weglassen (Erstverschlimmerung)?

Viele Menschen, die von konventioneller auf Naturkosmetik umsteigen, erleben eine anfängliche Enttäuschung: Die Haut wird unrein, trocken oder fettig. Dieses Phänomen, oft als Erstverschlimmerung bezeichnet, ist kein Zeichen dafür, dass die neuen Produkte schlecht sind. Im Gegenteil: Es ist der Beweis, dass die Haut ihre natürliche Funktion wieder aufnimmt. Aus dermatologischer Sicht ist dies eine notwendige Entgiftungsphase. Silikone in herkömmlichen Cremes bilden einen Film, der die Poren versiegelt und die Talgproduktion künstlich reguliert. Fällt dieser Film weg, muss die Haut lernen, ihren Feuchtigkeitshaushalt wieder selbst zu steuern.

Dieser Prozess ist direkt an den natürlichen Regenerationszyklus der Haut gekoppelt, der etwa 28 Tage dauert. In dieser Zeit stösst die Haut alte, durch Silikone «zugekleisterte» Hautzellen ab und erneuert sich von Grund auf. Die Talgdrüsen, die unter der Silikonschicht quasi «faul» geworden sind, müssen ihre Produktion neu kalibrieren. Dies kann vorübergehend zu Pickeln oder trockenen Stellen führen. Insbesondere in Schweizer Regionen mit sehr hartem, kalkhaltigem Wasser wie im Jura oder im Mittelland kann diese Umstellungsphase intensiver ausfallen, da der Kalk die Haut zusätzlich austrocknen kann.

Fallbeispiel: Der 28-Tage-Hautzyklus nach dem Silikon-Entzug

Eine Person, die jahrelang silikonhaltige Feuchtigkeitscremes verwendet hat, stellt auf eine reichhaltige Naturkosmetik-Pflege um. In der ersten Woche fühlt sich die Haut trocken an, da der gewohnte «Weichzeichner-Effekt» der Silikone fehlt. In der zweiten und dritten Woche können Unreinheiten auftreten, da die Haut angestaute Stoffwechselprodukte ausscheidet und die Talgproduktion überreagiert. Erst nach etwa vier Wochen, einem kompletten Hauterneuerungszyklus, stabilisiert sich die Haut. Sie hat ihre Fähigkeit zur Selbstregulation wiedererlangt, das Hautbild wirkt klarer und das gesunde, natürliche Strahlen kehrt zurück. Geduld ist hier der Schlüssel zum Erfolg.

Dieser Trend zur bewussten Pflege ist in der Schweiz deutlich spürbar. Laut aktuellen Marktdaten greifen bereits rund 25% der Schweizerinnen und Schweizer bevorzugt zu Naturkosmetik. Dieses wachsende Bewusstsein zeigt, dass immer mehr Menschen bereit sind, diese anfängliche Umstellungsphase für eine langfristig gesündere Haut in Kauf zu nehmen.

Wie machen Sie aus Kaffeesatz und Öl ein Peeling, das besser wirkt als gekauftes?

Die wirksamsten Hautpflegeprodukte müssen nicht teuer sein oder aus einem Labor stammen. Oft finden sich die besten Zutaten direkt in unserer Küche. Ein selbstgemachtes Peeling aus Kaffeesatz und einem hochwertigen Öl ist nicht nur eine nachhaltige Alternative zu Produkten mit Mikroplastik, sondern aus dermatologischer Sicht oft sogar überlegen. Der Grund liegt in der Nährstoffdichte der Zutaten: Kaffeesatz enthält Koffein, das die Mikrozirkulation der Haut anregt und abschwellend wirkt. Kaltgepresste Pflanzenöle, wie zum Beispiel Schweizer Raps- oder Sonnenblumenöl, liefern wertvolle Fettsäuren, Vitamine und Antioxidantien, die die Hautbarriere nähren und stärken, anstatt sie nur oberflächlich zu glätten.

Die Herstellung ist denkbar einfach und ein perfektes Beispiel für das Upcycling von Küchenabfällen. Anstatt den Kaffeesatz zu entsorgen, wird er zu einem potenten Wirkstoff. Dasselbe gilt für andere «Rüstabfälle»: Gemahlene Aprikosenkerne, eine Spezialität aus dem Wallis, ergeben ein feines, mechanisches Peeling, das die Haut sanft poliert.

Hausgemachtes Kaffeepeeling mit natürlichen Schweizer Zutaten

Indem Sie solche Peelings selbst herstellen, haben Sie die 100%ige Kontrolle über die Inhaltsstoffe. Sie vermeiden versteckte Konservierungs-, Duft- und Füllstoffe und versorgen Ihre Haut mit reinen, bioverfügbaren Nährstoffen. Die Wirkung ist nicht nur sofort sichtbar – eine weiche, durchblutete Haut –, sondern auch nachhaltig, da die Hautbarriere gestärkt wird.

Ihr Aktionsplan: Effektive DIY-Rezepte mit Schweizer Zutaten

  1. Kaffeesatz-Peeling für den Körper: Mischen Sie 2 Esslöffel getrockneten Kaffeesatz mit 1 Esslöffel hochwertigem Schweizer Rapsöl. In der Dusche auf die feuchte Haut sanft einmassieren und abspülen.
  2. Sanftes Aprikosenkern-Peeling fürs Gesicht: Verwenden Sie sehr fein gemahlene Aprikosenkerne (z.B. aus dem Wallis) und mischen Sie diese mit einem Teelöffel Sonnenblumenöl zu einer Paste. Vorsichtig auftragen und abwaschen.
  3. Nährende Honig-Quark-Maske: Vermengen Sie 2 Esslöffel Vollfettquark mit 1 Teelöffel flüssigem Emmentaler Bienenhonig. Für 15 Minuten auf das Gesicht auftragen, um die Haut zu beruhigen und mit Feuchtigkeit zu versorgen.
  4. Salz-Öl-Peeling für Füsse und Ellbogen: Mischen Sie grobes Meersalz mit kaltgepresstem Sonnenblumenöl für ein intensives Peeling an rauen Hautstellen.
  5. Zucker-Olivenöl-Mix für sensible Lippen: Vermischen Sie einen Teelöffel braunen Zucker mit etwas Olivenöl zu einem sanften Lippenpeeling.

Das Missverständnis „Natur ist immer sanft“: Wann reizen Kräuter Ihre Haut?

Der Glaube, dass natürliche Inhaltsstoffe per se unbedenklich und sanft sind, ist ein weit verbreiteter und gefährlicher Irrtum. Auch die Natur verfügt über ein Arsenal an hochwirksamen, aber potenziell reizenden Substanzen. Viele Pflanzen entwickeln starke ätherische Öle oder Alkaloide, um sich vor Fressfeinden zu schützen – und diese können auch für empfindliche menschliche Haut zu viel sein. Dies ist ein entscheidender Punkt, den viele Anhänger der reinen Naturkosmetik übersehen.

Nicht alle natürlichen Inhaltsstoffe sind automatisch biologisch angebaut oder vegan. Und nicht alles Natürliche ist automatisch sanft zur Haut.

– Schweizerischer Kosmetik- und Waschmittelverband (SKW), Konsumenteninformation

Bestimmte Inhaltsstoffe, auch wenn sie aus den Schweizer Alpen stammen, haben ein bekanntes allergenes Potenzial. Arnika zum Beispiel ist ein potentes Mittel bei Prellungen, kann aber auf offener oder sensibler Haut starke Reizungen auslösen. Teebaumöl, oft als Wundermittel gegen Pickel gepriesen, kann in reiner Form die Haut stark austrocknen und das Haut-Mikrobiom schädigen, also die Gemeinschaft nützlicher Bakterien auf unserer Haut.

Ein weiteres wichtiges Phänomen ist die Photosensibilisierung. Bestimmte pflanzliche Stoffe, wie zum Beispiel Bergamotte-Öl oder Johanniskraut, machen die Haut empfindlicher gegenüber UV-Strahlung. Werden solche Produkte vor einer Wanderung in den sonnigen Alpen aufgetragen, kann dies zu unerwünschten Pigmentflecken oder sogar sonnenbrandähnlichen Reaktionen führen. Deshalb ist es unerlässlich, auch bei Naturkosmetik auf die eigene Hautreaktion zu achten und neue Produkte, insbesondere solche mit hochkonzentrierten ätherischen Ölen, zunächst an einer unauffälligen Stelle wie der Armbeuge zu testen (Patch-Test).

Warum sind Grenzwerte für Einzelstoffe irrelevant, wenn Sie fünf verschiedene essen?

Behörden legen für potenziell schädliche Stoffe wie Pestizide in Lebensmitteln oder Konservierungsstoffe in Kosmetika Grenzwerte fest. Ein einzelnes Produkt, das diesen Grenzwert einhält, wird als «sicher» eingestuft. Diese Logik hat jedoch einen fatalen Fehler: Sie ignoriert den Alltag. Niemand verwendet nur ein einziges Produkt oder isst nur ein einziges Lebensmittel. Die wahre Belastung entsteht durch den Cocktail-Effekt – die Summe und Wechselwirkung unzähliger Substanzen, denen wir täglich ausgesetzt sind.

Sie benutzen morgens ein Duschgel mit Duftstoffen, ein Shampoo mit Sulfaten, eine Gesichtscreme mit einem Konservierungsmittel und ein Deo mit Aluminiumsalzen. Jedes Produkt für sich mag unbedenklich sein. Doch Ihr Körper muss all diese Stoffe gleichzeitig verarbeiten. Hinzu kommen Pestizidrückstände aus konventionellem Obst und Gemüse, Zusatzstoffe in verarbeiteten Lebensmitteln und Chemikalien aus Reinigungsmitteln. Diese kombinierte Exposition wurde in den Grenzwertberechnungen nie berücksichtigt.

Fallstudie: Der Cocktail-Effekt im Schweizer Warenkorb

Die Schweizer Konsumentenzeitschrift K-Tipp führt regelmässig Tests durch, die Mehrfachbelastungen in Alltagsprodukten aufdecken. Ein typisches Szenario: Ein Apfel aus konventionellem Anbau ist mit drei verschiedenen Pestiziden unterhalb des jeweiligen Grenzwertes belastet. Die Person isst diesen Apfel und trägt danach eine Bodylotion auf, die zwei verschiedene Parabene enthält, ebenfalls unter dem Grenzwert. In der Summe ist der Körper nun mit fünf verschiedenen, potenziell schädlichen Chemikalien konfrontiert. Forschungen zu den Langzeitwirkungen solcher chemischen Cocktails auf den menschlichen Organismus stehen noch am Anfang, doch das Vorsorgeprinzip rät dringend zur Minimierung der Gesamtbelastung.

Dieser Effekt ist der stärkste Grund, den Konsum von synthetischen Stoffen ganzheitlich zu betrachten. Es geht nicht darum, in Panik zu verfallen, sondern darum, die Kontrolle zurückzugewinnen. Jedes Mal, wenn Sie sich für ein zertifiziertes Bio-Lebensmittel oder eine echte Naturkosmetik entscheiden, reduzieren Sie die Gesamtmenge an Chemikalien in Ihrem persönlichen «Cocktail». Sie entlasten damit nicht nur Ihre Haut, sondern Ihren gesamten Organismus.

Warum ist der violette Blumenkohl gesünder als der weisse?

Die Antwort auf diese Frage ist ein perfektes Beispiel dafür, wie wir die Logik der Ernährung auf unsere Hautpflege übertragen können. Die intensive violette Farbe des Blumenkohls stammt von sogenannten Anthocyanen. Das sind sekundäre Pflanzenstoffe, die als hochwirksame Antioxidantien agieren und die Pflanze vor UV-Strahlung und anderen Stressfaktoren schützen. Der weisse Blumenkohl enthält diese Schutzstoffe nicht oder nur in verschwindend geringen Mengen. Violetter Blumenkohl kann bis zu 200 mg Anthocyane pro 100 g enthalten, die auch unserem Körper als Zellschutz dienen.

Übertragen auf die Kosmetik bedeutet das: Ein einfaches Trägeröl (wie Paraffinöl aus Erdöl) mag die Haut zwar geschmeidig machen, liefert ihr aber keinerlei Nährstoffe. Es ist wie der weisse Blumenkohl – sättigend, aber arm an Vitalstoffen. Ein kaltgepresstes, unraffiniertes Pflanzenöl wie Wildrosen-, Granatapfelkern- oder Sanddornöl hingegen ist vollgepackt mit Vitaminen, Antioxidantien und essenziellen Fettsäuren. Es ist der violette Blumenkohl der Hautpflege: Es pflegt nicht nur, sondern schützt, repariert und nährt die Hautzellen aktiv. Es besitzt eine hohe Nährstoffdichte.

Diese farbenfrohen und nährstoffreichen Gemüsesorten sind oft alte, traditionelle Sorten, die von Organisationen wie ProSpecieRara in der Schweiz erhalten werden. Sie zu konsumieren, stärkt nicht nur die eigene Gesundheit, sondern auch die Biodiversität. Sie finden diese Sorten auf Wochenmärkten in grösseren Städten wie Zürich oder Bern, in spezialisierten Hofläden oder können sie über Setzlingsmärkte sogar im eigenen Garten anbauen. Die Entscheidung für Vielfalt auf dem Teller und im Cremetiegel folgt demselben Prinzip: Wählen Sie das, was von Natur aus reich an schützenden Inhaltsstoffen ist.

Das Wichtigste in Kürze

  • Der «Cocktail-Effekt» ist das eigentliche Risiko: Die Summe aller Chemikalien aus Kosmetik und Nahrung zählt, nicht Einzelstoffe.
  • Verlassen Sie sich nur auf strenge, unabhängige Siegel wie NATRUE oder COSMOS, um Greenwashing zu entlarven.
  • Die «Erstverschlimmerung» bei der Umstellung auf Naturkosmetik ist ein positives Zeichen der Hautentgiftung und dauert ca. 28 Tage.

Essen ohne Chemie: Wie vermeiden Sie den Pestizid-Cocktail im Alltag?

Ein chemiefreier Lebensstil ist kein unerreichbares Ideal, sondern das Ergebnis vieler kleiner, bewusster Entscheidungen im Alltag. Der Schlüssel liegt darin, nicht nur in einer Kategorie – etwa bei der Ernährung – Perfektion anzustreben, sondern das Prinzip der Reinheit auf alle Lebensbereiche auszuweiten. Die Vermeidung des Pestizid-Cocktails beginnt auf dem Teller, setzt sich bei der Hautpflege fort und endet bei den Reinigungsmitteln, die wir verwenden. Es ist ein ganzheitlicher Ansatz zur Reduzierung der chemischen Gesamtbelastung für Ihren Körper und die Umwelt.

Ein praktischer Einkaufsguide für die Schweiz kann dabei helfen, die richtigen Entscheidungen an den richtigen Orten zu treffen. Anstatt sich überfordert zu fühlen, konzentrieren Sie sich auf schrittweise Verbesserungen. Ersetzen Sie ein konventionelles Produkt nach dem anderen durch eine zertifizierte biologische oder natürliche Alternative. Mit der Zeit wird dieser bewusste Konsum zur Gewohnheit und Sie entwickeln einen zielsicheren Blick für Qualität.

Die folgende Übersicht dient als Kompass für Ihren nächsten Einkauf in der Schweiz, basierend auf den Empfehlungen von Zertifizierungsstellen wie bio.inspecta.

Einkaufsguide für chemiefreie Produkte in der Schweiz
Produktkategorie Wo kaufen Worauf achten Preisvergleich
Frisches Gemüse/Obst Wochenmarkt, Hofladen Saisonal, regional, Bio Suisse Knospe 10-20% teurer als konventionell
Kosmetik Reformhaus, Bioladen, Apotheke NATRUE/COSMOS-Siegel 20-40% teurer
Grundnahrungsmittel Coop (Naturaplan)/Migros (Migros Bio) Bio Suisse Knospe 15-30% teurer
Reinigungsmittel Unverpackt-Laden, Bioladen Ecocert-Zertifizierung, Nachfülloptionen Gleicher Preis bei Nachfüllung

Diese Strategie entlastet nicht nur Ihren Organismus, sondern sendet auch ein starkes Signal an die Industrie. Jeder Franken, der für ein sauberes, zertifiziertes Produkt ausgegeben wird, ist eine Stimme für mehr Transparenz, Nachhaltigkeit und Qualität im Markt. Sie gestalten die Zukunft des Angebots aktiv mit.

Ein ganzheitlicher Ansatz ist der nachhaltigste Weg. Die Integration dieser Strategien in Ihren Alltag wird einfacher, wenn Sie sich die verschiedenen Säulen eines chemiereduzierten Lebensstils regelmässig vergegenwärtigen.

Beginnen Sie noch heute damit, bei Ihrem nächsten Einkauf ein Produkt bewusst nach diesen Kriterien auszuwählen. Analysieren Sie eine INCI-Liste, suchen Sie nach einem Siegel oder entscheiden Sie sich für die Bio-Variante. Jeder kleine Schritt ist ein Sieg für Ihre Haut und Ihre Gesundheit.

Häufige Fragen zu Naturkosmetik in der Schweiz

Welche Schweizer Alpenkräuter können allergische Reaktionen auslösen?

Obwohl sie für ihre Heilkraft bekannt sind, können bestimmte Alpenkräuter bei empfindlicher Haut zu Reizungen führen. Insbesondere Arnika, Edelweiss (in hoher Konzentration) und Johanniskraut haben ein allergenes Potenzial. Das Allergiezentrum Schweiz (aha!) empfiehlt daher, Produkte mit diesen Inhaltsstoffen vor der grossflächigen Anwendung in der Armbeuge zu testen (Patch-Test).

Was ist Photosensibilisierung durch Naturkosmetik?

Einige natürliche Substanzen, insbesondere ätherische Öle aus Zitrusfrüchten (wie Bergamotte) oder Extrakte aus Johanniskraut, können die Haut deutlich empfindlicher gegenüber UV-Licht machen. Dies wird als Photosensibilisierung bezeichnet. Bei Sonneneinstrahlung, wie sie bei Wanderungen in den Alpen typisch ist, kann dies zu verstärkter Pigmentierung (Pigmentflecken) oder sonnenbrandähnlichen Hautreaktionen führen. Solche Produkte sollten daher bevorzugt abends verwendet werden.

Wie unterscheide ich eine Allergie von einer ‚Heilkrise‘ (Erstverschlimmerung)?

Eine echte allergische Reaktion tritt in der Regel schnell nach der Anwendung auf und äussert sich durch starke Rötung, Schwellung, Juckreiz oder sogar Bläschenbildung. Eine Erstverschlimmerung oder «Heilkrise» hingegen ist ein langsamerer Prozess, der sich über mehrere Tage oder Wochen erstreckt. Sie äussert sich oft durch vorübergehende Unreinheiten, Trockenheit oder ein verändertes Hautgefühl und ist Teil des Entgiftungsprozesses der Haut, während sie ihre natürliche Balance wiederfindet.

Geschrieben von Dr. med. Jonas Aebischer, Facharzt für Innere Medizin und Ernährungsmediziner mit eigener Praxis in Zürich, spezialisiert auf Stoffwechselerkrankungen und Präventivmedizin. Er verfügt über 15 Jahre Erfahrung in der klinischen Behandlung von Diabetes und Mangelerscheinungen.