
Der Kampf gegen emotionales Essen wird nicht mit Disziplin gewonnen, sondern indem man den Kampf aufgibt und beginnt, die zugrunde liegenden Gefühle zu verstehen.
- Emotionaler Hunger ist kein Zeichen von Schwäche, sondern ein Signal für ein unerfülltes seelisches Bedürfnis wie Trost, Ruhe oder Nähe.
- Strikte Verbote und Selbstvorwürfe verstärken den Teufelskreis aus Heisshunger und Scham. Der Schlüssel liegt in der Entwicklung alternativer Strategien.
Empfehlung: Kultivieren Sie Selbstmitgefühl statt eiserner Disziplin. Lernen Sie, Ihre Emotionen anzuerkennen und ihnen mit Fürsorge zu begegnen, anstatt sie mit Essen zu betäuben.
Der Griff zur Schokolade nach einem anstrengenden Tag, die Tüte Chips bei Einsamkeit oder das Stück Kuchen als Belohnung – diese Verhaltensweisen sind vielen Menschen schmerzlich vertraut. Sie erleben, wie Emotionen wie Stress, Trauer oder Langeweile einen fast unbezwingbaren Drang nach bestimmten Lebensmitteln auslösen. Oftmals folgen auf die kurze Linderung durch das Essen Schuldgefühle und Frustration, was einen Teufelskreis in Gang setzt. Viele versuchen, diesem mit eiserner Disziplin und Verboten zu begegnen, nur um festzustellen, dass der Druck dadurch noch grösser wird. In der Schweiz, wo Genuss und Esskultur tief verwurzelt sind, kann dieser innere Konflikt besonders intensiv sein.
Die gängigen Ratschläge konzentrieren sich oft auf Willenskraft, Ablenkung und das Zählen von Kalorien. Doch was, wenn diese Ansätze das eigentliche Problem übersehen? Was, wenn emotionales Essen weniger ein Problem der Selbstkontrolle und vielmehr ein fehlgeleiteter Versuch der Selbstfürsorge ist? Dieser Artikel bricht mit der Idee, dass Sie härter mit sich selbst sein müssen. Stattdessen beleuchten wir einen Weg, der auf Verständnis, Achtsamkeit und vor allem Selbstmitgefühl basiert. Es geht nicht darum, den Hunger zu bekämpfen, sondern darum, seine wahre Botschaft zu entschlüsseln.
Wir werden gemeinsam erforschen, wie Sie die Signale Ihres Körpers besser deuten, die neurobiologischen Gründe für Heisshunger verstehen und konkrete, im Schweizer Alltag umsetzbare Alternativen finden, die Ihre Seele nähren – ganz ohne Reue. Ziel ist es, Ihnen Werkzeuge an die Hand zu geben, um die Verbindung zu sich selbst zu stärken und so nachhaltig aus der Frust-Falle auszusteigen.
Dieser Artikel führt Sie schrittweise durch die psychologischen und physiologischen Aspekte des emotionalen Essens. Entdecken Sie, wie Sie vom Beobachter zum verständnisvollen Begleiter Ihrer eigenen Bedürfnisse werden.
Inhalt: Ihr Wegweiser zu einem bewussteren Essverhalten
- Führen Sie ein Gefühlstagebuch: Wann greifen Sie zur Chipstüte?
- Wo spüren Sie den Hunger: Im Bauch oder im Kopf?
- Was tröstet Sie genauso gut wie ein Keks?
- Warum will Ihr Gehirn ausgerechnet Fett und Zucker, wenn Sie traurig sind?
- Warum ist Selbstmitgefühl wichtiger als Disziplin, wenn Sie doch schwach wurden?
- Warum liegt Ihnen das Sandwich schwer im Magen, wenn Sie E-Mails lesen?
- Warum nennt man den Darm das „zweite Gehirn“ und wie füttern Sie es glücklich?
- Mental stark durch Krisen: Welche Nährstoffe machen Ihre Psyche resilient?
Führen Sie ein Gefühlstagebuch: Wann greifen Sie zur Chipstüte?
Der erste und wichtigste Schritt zur Veränderung ist die bewusste Wahrnehmung ohne sofortige Verurteilung. Emotionales Essen geschieht oft automatisch, fast wie ferngesteuert. Um diesen Autopiloten zu durchbrechen, müssen Sie zunächst verstehen lernen, was genau passiert, bevor Sie zur Chipstüte greifen. Ein Gefühlstagebuch ist dafür ein äusserst wirksames Werkzeug. Es geht nicht darum, Kalorien zu zählen, sondern Muster zu erkennen. Notieren Sie für einige Tage, was Sie essen, aber vor allem: Wie haben Sie sich direkt davor gefühlt? Waren Sie gestresst, gelangweilt, einsam, wütend oder vielleicht sogar glücklich und wollten sich belohnen?
Diese einfache Übung schafft eine wertvolle Distanz zwischen Gefühl und Handlung. Sie beginnen zu sehen, dass nicht Hunger der Auslöser war, sondern eine spezifische Emotion. Dieses Erkennen ist der Moment, in dem Sie die Kontrolle zurückgewinnen. Die Erfahrung der 28-jährigen Elena, die nach ihrem Auszug aus dem Elternhaus begann, Stress mit Fast Food zu kompensieren, illustriert dies gut. Der Stress des Alleinseins und der neuen Verantwortung war der Auslöser, das Essen die erlernte Bewältigungsstrategie. Sie wollte sich etwas Gutes tun, als niemand mehr für sie kochte.
Beginnen Sie, Ihre persönlichen Auslöser zu identifizieren. Ist es der Streit mit dem Partner? Die Kritik vom Chef? Oder die Stille am Abend? Indem Sie die Verbindung zwischen einem Gefühl und dem Griff zum Essen herstellen, entmystifizieren Sie das Verhalten. Es ist keine unerklärliche Schwäche, sondern eine erlernte Reaktion. Und was erlernt wurde, kann auch wieder verlernt oder durch neue, gesündere Reaktionen ersetzt werden.
Wo spüren Sie den Hunger: Im Bauch oder im Kopf?
Eine entscheidende Fähigkeit auf dem Weg zu einem entspannten Essverhalten ist die Unterscheidung zwischen körperlichem Hunger und emotionalem Appetit. Physischer Hunger ist ein biologisches Signal Ihres Körpers, das Energie benötigt. Er baut sich langsam auf, ist geduldig und lässt sich durch eine Vielzahl von Nahrungsmitteln stillen. Nach dem Essen fühlen Sie sich zufrieden und gesättigt. Emotionaler Hunger hingegen überfällt Sie plötzlich und mit grosser Dringlichkeit. Er fühlt sich an wie ein Zwang und zielt fast immer auf ein ganz bestimmtes „Comfort Food“ ab – sei es Schokolade, Pizza oder Glace.
Dieser „Kopf-Hunger“ entsteht nicht im Magen, sondern als Reaktion auf ein Gefühl. Er lässt sich nicht durch eine normale Mahlzeit befriedigen. Oft isst man weit über das Sättigungsgefühl hinaus, ohne wirkliche Befriedigung zu finden. Statt Zufriedenheit stellen sich danach meist Schuldgefühle und Reue ein. Um diese beiden Hungerarten besser zu unterscheiden, hilft es, innezuhalten und in den eigenen Körper hineinzuhorchen. Fragen Sie sich: Wo genau spüre ich dieses Verlangen? Knurrt mein Magen? Fühle ich mich energielos und schwach? Oder kreisen meine Gedanken zwanghaft um ein bestimmtes Lebensmittel, während mein Bauch eigentlich voll ist?

Die folgende Tabelle fasst die wichtigsten Unterschiede zusammen und kann Ihnen als Orientierungshilfe im Alltag dienen. Sie hilft Ihnen, die Signale Ihres Körpers klarer zu deuten und bewusster zu entscheiden, ob Ihr Körper wirklich Nahrung oder Ihre Seele Trost braucht.
| Merkmal | Echter Hunger | Emotionaler Appetit |
|---|---|---|
| Entstehung | Langsam und graduell | Plötzlich und dringend |
| Körpersignale | Magenknurren, leerer Bauch, Energielosigkeit | Verlangen im Kopf, kein Magenknurren |
| Essensauswahl | Fast alles ist akzeptabel | Spezifisches Verlangen (z.B. Schokolade) |
| Sättigung | Hört bei Sättigung auf | Isst über Sättigung hinaus |
| Nach dem Essen | Zufriedenheit | Schuldgefühle, Reue |
Was tröstet Sie genauso gut wie ein Keks?
Sobald Sie gelernt haben, emotionalen Hunger zu erkennen, stehen Sie vor der nächsten entscheidenden Frage: Was tue ich stattdessen? Das Ziel ist nicht, das Bedürfnis nach Trost oder Entspannung zu ignorieren, sondern eine gesündere und nachhaltigere Antwort darauf zu finden. Es geht darum, ein Repertoire an alternativen Bewältigungsstrategien aufzubauen, die Ihre Seele nähren, ohne Ihren Körper zu belasten. Emotionales Essen ist in der Schweiz ein relevantes Thema; Schätzungen zufolge leiden etwa 1.6 Prozent der Schweizer Bevölkerung an einer Binge-Eating-Störung, der schwersten Form des emotionalen Essens, wobei die Dunkelziffer weitaus höher liegen dürfte.
Erstellen Sie eine ganz persönliche „Notfall-Liste“ mit Aktivitäten, die Ihnen guttun. Wichtig ist, dass diese Alternativen leicht verfügbar sind und wirklich zu Ihnen passen. Was für den einen ein entspannendes Bad ist, ist für den anderen ein Spaziergang in der Natur. Die Schweiz bietet hierfür unzählige Möglichkeiten. Ein kurzer Spaziergang am Seeufer, eine Wanderung in den nahen Wäldern oder einfach nur tief durchatmen auf dem Balkon mit Blick auf die Berge kann wahre Wunder wirken.
Hier sind einige bewährte Alternativen, die speziell auf den Schweizer Kontext zugeschnitten sind:
- Spaziergang in der Natur: Nutzen Sie die gut ausgebauten Wanderwege oder die Nähe zu einem See. Bewegung an der frischen Luft setzt Endorphine frei und klärt den Kopf.
- Achtsamkeitsübung: Statt zum Snack zu greifen, nehmen Sie sich fünf Minuten Zeit für bewusstes Atmen. Konzentrieren Sie sich nur auf Ihren Atem, ohne etwas verändern zu wollen.
- Soziale Alternative: Rufen Sie eine Freundin oder einen Freund an. Ein Gespräch kann das Gefühl von Einsamkeit oder Stress oft besser lindern als jede Schokolade.
- Kreative Ablenkung: Schreiben Sie Ihre Gefühle in ein Tagebuch, zeichnen oder malen Sie. Kreativität ist ein kraftvolles Ventil für Emotionen.
- Körperliche Aktivität: Zehn Minuten Yoga, Stretching oder einfach nur Tanzen zur Lieblingsmusik können die Anspannung im Körper lösen.
Warum will Ihr Gehirn ausgerechnet Fett und Zucker, wenn Sie traurig sind?
Das Verlangen nach Süssem und Fettigem in emotional belastenden Situationen ist keine Charakterschwäche, sondern hat tiefgreifende neurobiologische Gründe. Unser Gehirn ist darauf programmiert, nach schnellen und effizienten Wegen zu suchen, um Unbehagen zu lindern. Hochkalorische Lebensmittel, insbesondere die Kombination aus Fett und Zucker, aktivieren das Belohnungszentrum im Gehirn und führen zur Ausschüttung von Dopamin – einem Neurotransmitter, der für Wohlbefinden und Freude sorgt. Es ist eine schnelle, wenn auch kurzlebige Lösung, um negative Gefühle zu dämpfen.
Dieser Mechanismus ist ein evolutionäres Erbe. In Zeiten von Nahrungsknappheit war es überlebenswichtig, energiereiche Nahrung zu bevorzugen. Heute, im Überfluss, wird dieser Instinkt zur Falle. Wenn wir gestresst sind, schüttet der Körper das Hormon Cortisol aus, das den Appetit auf genau solche „Belohnungs-Nahrungsmittel“ steigert. Das Gehirn lernt schnell: „Wenn ich mich schlecht fühle und Schokolade esse, fühle ich mich kurzzeitig besser.“ So entsteht eine starke Konditionierung. Wie Ninetta Scura, Dozentin an der Berner Fachhochschule, treffend formuliert, wird Essen zur Ersatzhandlung:
Mit Essen versuchen wir, ein Bedürfnis zu befriedigen und Emotionen zu regulieren. Es ist also eine Ersatzhandlung, die vom eigentlichen Problem ablenkt.
– Ninetta Scura, Beobachter
Zudem ist die emotionale „Bauchentscheidung“ dem rationalen Denken weit voraus. Studien zeigen, dass wir bereits nach rund 250 Millisekunden ein „Das will ich“-Gefühl haben, während der Verstand erst nach etwa 500 Millisekunden eingreift, um die Situation zu analysieren. Der Impuls ist also doppelt so schnell wie die Vernunft. Gegen diesen biologischen Turbo mit reiner Willenskraft anzukämpfen, ist ein aussichtsloses Unterfangen. Der einzige Weg ist, die dahinterliegende Logik zu verstehen und dem Gehirn neue, gesündere Wege zur Emotionsregulation anzubieten.
Warum ist Selbstmitgefühl wichtiger als Disziplin, wenn Sie doch schwach wurden?
Der vielleicht grösste Denkfehler im Umgang mit emotionalem Essen ist der Glaube, man bräuchte mehr Disziplin. Nach einem „Ausrutscher“ reagieren die meisten Menschen mit Härte, Selbstvorwürfen und dem Vorsatz, beim nächsten Mal „stärker“ zu sein. Doch genau diese Härte ist kontraproduktiv. Sie erzeugt zusätzlichen Stress und negative Gefühle, die wiederum die Wahrscheinlichkeit für den nächsten Essanfall erhöhen. Es ist ein Teufelskreis aus Scham, Strafe und erneutem Kontrollverlust. Die Ernährungsberaterin Ninetta Scura bringt es auf den Punkt: Disziplin ist ein mentales Konstrukt, ein Sprint. Der Drang zu essen entsteht jedoch im Körper und ist ein Marathon. Disziplin kann daher per Definition nicht die nachhaltige Lösung sein.
Der Ausweg liegt im Gegenteil von Härte: im Selbstmitgefühl. Selbstmitgefühl bedeutet, sich selbst in schwierigen Momenten mit derselben Freundlichkeit und demselben Verständnis zu behandeln, das man einem guten Freund entgegenbringen würde. Es bedeutet, anzuerkennen, dass man leidet und dass der Griff zum Essen ein (untauglicher) Versuch war, sich selbst zu helfen. Statt sich zu fragen „Was stimmt nicht mit mir?“, lautet die mitfühlende Frage: „Was habe ich in diesem Moment gebraucht, das ich mir nicht anders geben konnte?“.
Diese Haltungsänderung ist revolutionär. Sie unterbricht den Kreislauf der Selbstverurteilung. Ein Rückfall wird nicht mehr zum Beweis des eigenen Versagens, sondern zu einer wertvollen Lerngelegenheit. Er zeigt Ihnen, wo Ihre wunden Punkte liegen und in welchen Situationen Sie besonders auf sich achten müssen. In der Schweiz gibt es Ansätze wie das von Oviva angebotene Programm, das persönliche Beratung mit einer App kombiniert, um genau diese neuen Gewohnheiten zu etablieren. Solche Programme, die oft von der Grundversicherung übernommen werden, setzen auf Fortschritt statt Perfektion und helfen, eine unterstützende anstelle einer bestrafenden inneren Haltung zu entwickeln.
Warum liegt Ihnen das Sandwich schwer im Magen, wenn Sie E-Mails lesen?
Das Phänomen ist weit verbreitet: die Mittagspause am Schreibtisch, eine Hand am Sandwich, die andere an der Maus. Während man isst, werden E-Mails beantwortet oder Berichte gelesen. Das Essen wird nebenbei und unbewusst verschlungen. Das Ergebnis: Man fühlt sich danach oft nicht wirklich satt, sondern eher aufgebläht und unzufrieden. Dieses gehetzte Essen am Arbeitsplatz ist eine besonders häufige Form des emotionalen Essens, angetrieben von Stress und Zeitdruck. Eine Schweizer Studie zeigt, dass sich zwar jede zweite Person an einem Werktag Zeit zum Kochen nimmt, dies mittags aber eher die älteren Erwachsenen tun – ein Hinweis darauf, dass im Berufsalltag die bewusste Pause oft zu kurz kommt.

Wenn wir unter Stress essen, befindet sich unser Körper im „Kampf-oder-Flucht-Modus“. Das Nervensystem leitet Blut und Energie von der Verdauung weg und hin zu den Muskeln. Die Produktion von Verdauungssäften wird reduziert, was dazu führt, dass die Nahrung buchstäblich schwer im Magen liegt. Zudem registriert das Gehirn, das mit Arbeit beschäftigt ist, die Sättigungssignale viel später oder gar nicht. Man isst schneller, mehr und fühlt sich trotzdem nicht befriedigt. Die Lösung liegt in der Schaffung eines bewussten Übergangsrituals von der Arbeit zum Essen.
Ihr Plan für eine stressfreie Mittagspause
- Trennen Sie sich physisch vom Arbeitsplatz: Stehen Sie auf und essen Sie an einem anderen Tisch, in der Küche oder – noch besser – an der frischen Luft, auch wenn es nur für 15 Minuten ist.
- Nehmen Sie das Essen bewusst wahr: Schauen Sie sich die Farben auf Ihrem Teller an, riechen Sie die Aromen und konzentrieren Sie sich auf die verschiedenen Texturen im Mund. Legen Sie das Besteck zwischen den Bissen ab.
- Kauen Sie langsam und bewusst: Die Verdauung beginnt im Mund. Langsames Kauen erleichtert dem Magen die Arbeit und gibt Ihrem Gehirn die nötige Zeit (ca. 20 Minuten), um Sättigungssignale zu senden und zu empfangen.
- Vermeiden Sie digitale Ablenkungen: Lassen Sie das Smartphone in der Tasche und den Laptop zugeklappt. Gönnen Sie Ihrem Gehirn eine echte Pause.
- Beenden Sie die Mahlzeit mit Dankbarkeit: Nehmen Sie sich einen Moment Zeit, um wertzuschätzen, dass Sie Ihren Körper mit Energie versorgt haben.
Warum nennt man den Darm das „zweite Gehirn“ und wie füttern Sie es glücklich?
Die enge Verbindung zwischen unseren Gefühlen und unserer Verdauung ist mehr als nur ein Sprichwort wie „Schmetterlinge im Bauch“. Die moderne Wissenschaft bestätigt, dass unser Darm ein eigenes, komplexes Nervensystem besitzt, das oft als enterisches Nervensystem oder „Bauchhirn“ bezeichnet wird. Dieses Geflecht aus über 100 Millionen Nervenzellen ist mehr als nur für die Verdauung zuständig. Es steht in einem ständigen, bidirektionalen Austausch mit unserem Kopfhirn – eine Verbindung, die als Darm-Hirn-Achse bekannt ist.
Diese Achse ist der Grund, warum Stress auf den Magen schlagen kann und warum umgekehrt die Gesundheit unseres Darms unsere Stimmung massgeblich beeinflusst. Tatsächlich werden rund 95 % des „Glückshormons“ Serotonin im Darm produziert. Eine gesunde Darmflora, bestehend aus Billionen von nützlichen Bakterien, ist entscheidend für diese Produktion und für die Kommunikation mit dem Gehirn. Ist dieses Mikrobiom im Ungleichgewicht (z.B. durch Stress, einseitige Ernährung oder Antibiotika), kann dies zu Stimmungsschwankungen, Angstzuständen und sogar Depressionen beitragen.
Chronischer Stress und die damit verbundenen emotionalen Zustände können die Struktur des Gehirns physisch verändern. Wie Experten von Makrobiotik Schweiz erklären, kann dies zu einer Abnahme des Volumens in Hirnregionen führen, die für Emotionen zuständig sind – ein Phänomen, das auch bei Depressionen beobachtet wird. Emotionen sind demnach tief in unserer Körperphysiologie verankert.
Ihr „zweites Gehirn“ glücklich zu füttern, bedeutet also, die guten Darmbakterien zu nähren. Dies geschieht am besten durch eine vielfältige, ballaststoffreiche Ernährung. Präbiotika (Futter für die Bakterien), die in Lebensmitteln wie Zwiebeln, Lauch, Artischocken und Vollkornprodukten enthalten sind, und Probiotika (lebende Bakterien) aus fermentierten Lebensmitteln wie Joghurt, Kefir oder Sauerkraut sind essenziell. Indem Sie auf Ihre Darmgesundheit achten, pflegen Sie also direkt Ihre psychische Widerstandsfähigkeit.
Das Wichtigste in Kürze
- Emotionales Essen ist keine Charakterschwäche, sondern ein erlernter Bewältigungsmechanismus für unerfüllte emotionale Bedürfnisse.
- Der Schlüssel zur Veränderung liegt nicht in strenger Disziplin, sondern in Achtsamkeit, dem Verstehen der eigenen Körpersignale und radikalem Selbstmitgefühl.
- Der Aufbau eines Repertoires an alternativen, seelennährenden Strategien und die Pflege der Darm-Hirn-Achse sind nachhaltige Wege aus dem Teufelskreis.
Mental stark durch Krisen: Welche Nährstoffe machen Ihre Psyche resilient?
Neben psychologischen Strategien spielt die Ernährung eine entscheidende Rolle für unsere psychische Resilienz – die Fähigkeit, Krisen und Stress gut zu bewältigen. Bestimmte Nährstoffe sind Bausteine für Neurotransmitter, die unsere Stimmung, unseren Schlaf und unsere Stressreaktion regulieren. Wenn wir unter Druck stehen – und Studien zeigen, dass rund ein Drittel der Menschen bei Stress übermässig isst – greift der Körper oft nach schnell verfügbarer Energie, vernachlässigt aber die Zufuhr dieser wichtigen Mikronährstoffe. Ein Mangel kann die Anfälligkeit für Stimmungstiefs und emotionales Essen weiter verstärken.
Eine gezielte Auswahl an Lebensmitteln kann helfen, die „Nerven-Nahrung“ sicherzustellen, die Ihr Gehirn braucht, um stabil zu bleiben. Dabei muss man nicht auf exotische Superfoods zurückgreifen; viele regionale Schweizer Produkte sind wahre Kraftpakete für die Psyche.
Hier ist eine Liste von wichtigen Nährstoffen und wo Sie diese in Schweizer Lebensmitteln finden:
- Tryptophan: Diese Aminosäure ist die Vorstufe des Glückshormons Serotonin. Sie findet sich reichlich in Gruyère AOP, Sbrinz und anderem Schweizer Hartkäse, aber auch in Nüssen und Kernen.
- Omega-3-Fettsäuren: Diese essenziellen Fette sind entscheidend für die Gehirnfunktion und wirken entzündungshemmend. Gute Quellen sind fette Fische wie Felchen aus Schweizer Seen, kaltgepresstes Rapsöl und Baumnüsse.
- Magnesium: Bekannt als „Anti-Stress-Mineral“, hilft es, das Nervensystem zu beruhigen. Es steckt in dunkler Schweizer Schokolade (in Massen geniessen!), Vollkornprodukten, Hülsenfrüchten und grünem Blattgemüse.
- B-Vitamine: Der gesamte B-Komplex ist für die Energieproduktion und Nervenfunktion unerlässlich. Sie finden ihn in Schweizer Bio-Eiern, Hülsenfrüchten aus lokalem Anbau, Fleisch und Vollkornprodukten.
- Vitamin D: Das „Sonnenvitamin“ hat einen grossen Einfluss auf die Stimmung. Besonders im Schweizer Winter ist ein Mangel häufig. Eine ärztliche Kontrolle des Spiegels und gegebenenfalls eine Supplementierung sind empfehlenswert.
Eine bewusste, nährstoffreiche Ernährung ist kein Allheilmittel, aber sie legt ein stabiles biochemisches Fundament, das es Ihnen erleichtert, emotionale Herausforderungen zu meistern, ohne sofort zum Trostessen greifen zu müssen.
Der Weg aus dem emotionalen Essen ist eine Reise zu sich selbst. Es ist ein Prozess, der Geduld und vor allem Freundlichkeit erfordert. Anstatt sich für jeden Bissen zu verurteilen, laden wir Sie ein, neugierig zu werden: Was versucht mein Körper mir zu sagen? Was brauche ich wirklich? Indem Sie lernen, diese Fragen mit Mitgefühl zu beantworten, verwandeln Sie einen inneren Kampf in einen Dialog und ebnen den Weg für eine tiefgreifende und dauerhafte Heilung. Für eine vertiefte Analyse und persönliche Begleitung auf diesem Weg kann eine professionelle Ernährungsberatung oder Psychotherapie, wie sie in der Schweiz an vielen Orten angeboten wird, eine wertvolle Unterstützung sein.