Veröffentlicht am März 11, 2024

Ihre Müdigkeit liegt wahrscheinlich nicht an Ihrer Ernährung selbst, sondern an unentdeckten Nährstofflücken und mangelnder Synergie, die von Standard-Gesundheitschecks oft übersehen werden.

  • Standard-Blutbilder definieren Mängel zu tief; für optimale Energie sind höhere Werte bei Ferritin, B-Vitaminen und Co. nötig.
  • Die richtige Kombination von Lebensmitteln (z.B. Vitamin C zu Eisen) und der Verzicht auf „Nährstoffräuber“ wie Kaffee zur falschen Zeit sind entscheidend.
  • Spezifische Schweizer Gegebenheiten wie selenarme Böden und unzureichende Wintersonne für Vitamin D erfordern eine gezielte Strategie.

Empfehlung: Wechseln Sie von einem pauschalen „gesund essen“ zu einem präzisen, datengestützten Nährstoffmanagement, das auf optimale Laborwerte und die biochemische Realität der Schweiz ausgerichtet ist.

Sie leben diszipliniert, Ihr Kühlschrank ist gefüllt mit frischem Gemüse, Sie meiden verarbeitete Lebensmittel und dennoch: Die Müdigkeit ist ein ständiger Begleiter. Der Wecker am Morgen ist Ihr Feind, der Nachmittag ein Kampf gegen das Gähnen und die erhoffte Energie für Ihre ambitionierten Ziele bleibt aus. Dieses frustrierende Paradox erleben viele Menschen. Sie folgen allen gängigen Ratschlägen für einen gesunden Lebensstil, investieren Zeit und Geld in hochwertige Nahrung, doch die erhoffte Vitalität stellt sich nicht ein. Man fühlt sich, als würde man mit angezogener Handbremse fahren.

Die üblichen Verdächtigen sind schnell ausgemacht: Stress, Schlafmangel, zu wenig Bewegung. Diese Faktoren spielen zweifellos eine Rolle. Doch was, wenn die Wurzel des Problems tiefer liegt, auf einer Ebene, die selbst die sorgfältigste Ernährung nicht automatisch abdeckt? Was, wenn Sie unter „verstecktem Hunger“ leiden – einem Zustand, in dem Sie zwar genügend Kalorien, aber nicht die richtigen Mikronährstoffe in der optimalen Form und Menge zu sich nehmen, um Ihre zellulären Kraftwerke, die Mitochondrien, auf Hochtouren laufen zu lassen? Die Annahme, eine „bunte“ Ernährung reiche aus, ist eine gefährliche Vereinfachung.

Die wahre Ursache für Ihre Antriebslosigkeit liegt oft nicht in einem Mangel an gesunden Lebensmitteln, sondern in einem Mangel an strategischem Nährstoffmanagement. Ein Standard-Blutbild und eine „gute“ Ernährung übersehen die entscheidenden Details: optimale Laborwerte statt blosse Mindestwerte, die Synergien der Nährstoffaufnahme und die spezifischen Nährstoffmängel, die in der Schweiz weit verbreitet sind. Dieser Artikel durchbricht die Oberfläche der allgemeinen Ernährungsratschläge und führt Sie in die präzise Welt der Orthomolekularmedizin. Wir zeigen Ihnen, wie Sie die wirklichen Energieräuber in Ihrem Blut aufspüren und Ihre Ernährung von „gesund“ zu „hochwirksam“ transformieren.

In den folgenden Abschnitten analysieren wir präzise, welche Laborwerte wirklich zählen, wie Sie die Nährstoffaufnahme durch clevere Kombinationen maximieren und wann eine Supplementierung in der Schweiz nicht nur sinnvoll, sondern zwingend notwendig ist. Machen Sie sich bereit, die wahren Gründe für Ihre Müdigkeit zu entdecken.

Inhaltsverzeichnis: Vom versteckten Hunger zur vollen Energie

Blutbild beim Hausarzt: Welche 5 Werte fehlen im Standard-Check?

Der erste Schritt zur Behebung Ihrer Müdigkeit ist eine präzise Diagnostik. Ein Standard-Blutbild beim Hausarzt liefert oft nur ein unvollständiges Bild. Es prüft meist, ob Sie krank sind, aber nicht, ob Sie für optimale Leistungsfähigkeit mit Nährstoffen versorgt sind. Die Referenzbereiche der Labore sind darauf ausgelegt, manifeste Krankheiten zu erkennen, nicht aber den „versteckten Hunger“, der sich in Form von Antriebslosigkeit und Müdigkeit äussert. Für Spitzenenergie benötigen Ihre Zellen Werte im oberen, optimalen Drittel des Normalbereichs, nicht knapp über der Mangelgrenze.

Ein klassisches Beispiel ist der Ferritin-Wert, der Eisenspeicher. Ein Labor definiert einen Mangel oft erst bei Werten unter 20 ng/ml. Doch laut Erfahrungen aus der klinischen Praxis können erste Eisenmangelsymptome bereits bei Ferritinwerten von 50-70 ng/ml auftreten. Für ambitionierte Menschen, die volle mentale und physische Energie anstreben, sollte ein Zielwert von 70-150 µg/l angestrebt werden. Es ist entscheidend, mit Ihrem Arzt über diese optimalen Referenzbereiche zu sprechen, anstatt sich mit dem Minimum zufriedenzugeben.

Um ein klares Bild Ihrer zellulären Energieversorgung zu erhalten, sollten Sie gezielt nach folgenden Werten fragen, die im Standard-Check oft fehlen:

  • Ferritin: Der wahre Indikator für Ihre Eisenspeicher. Der Zielbereich für optimale Energie liegt bei 70-150 µg/l, nicht nur über der Mindestgrenze von 20 µg/l.
  • Homocystein: Ein Wert unter 10 µmol/l ist ideal. Erhöhte Werte sind ein sensibler Marker für einen Mangel an den Vitaminen B6, B12 und Folsäure, die für den Energiestoffwechsel unerlässlich sind.
  • Aktives Vitamin B6 (P5P): Viele Menschen können die Standardform von Vitamin B6 nicht effizient umwandeln. Die Messung der aktiven Form P5P zeigt den tatsächlichen Status.
  • Selen im Vollblut: In der Schweiz aufgrund selenarmer Böden ein häufiger Mangel. Optimal sind 120-150 µg/l für eine funktionierende Schilddrüse und Immunabwehr.
  • hs-CRP (hochsensitives CRP): Ein Wert unter 1 mg/l ist anzustreben. Erhöhte Werte deuten auf stille, niederschwellige Entzündungen hin, die massive Energieräuber sind.

Die alleinige Messung dieser Werte reicht jedoch nicht aus. Der nächste entscheidende Schritt ist, zu verstehen, wie Sie die Aufnahme der Nährstoffe aus Ihrer Nahrung gezielt steuern können.

Wie kombinieren Sie Lebensmittel, um die Eisenaufnahme zu verdoppeln?

Selbst wenn Sie eisenreiche Lebensmittel wie Linsen oder Spinat essen, heisst das noch lange nicht, dass Ihr Körper dieses Eisen auch aufnimmt. Das Konzept der Nährstoff-Synergie ist hier entscheidend. Bestimmte Stoffe können die Aufnahme von Mineralstoffen drastisch erhöhen, während andere sie blockieren. Bei Eisen, einem der wichtigsten Mineralstoffe für den Sauerstofftransport und die Energieproduktion, ist dieser Effekt besonders ausgeprägt.

Die wichtigste Regel lautet: Kombinieren Sie pflanzliches Eisen (Nicht-Häm-Eisen) immer mit Vitamin C. Das Vitamin C wandelt das schwer verfügbare dreiwertige Eisen in die leichter resorbierbare zweiwertige Form um. Eine Paprika im Linsensalat oder ein Glas Orangensaft zum Haferflocken-Frühstück können die Eisenaufnahme um das Zwei- bis Dreifache steigern. Die visuelle Gestaltung Ihres Tellers spielt dabei eine ebenso wichtige Rolle wie die biochemische.

Schweizer Teller mit Bündnerfleisch, Orangenschnitzen und Linsensalat für optimale Eisenaufnahme

Wie auf diesem Teller zu sehen ist, geht es um clevere Kombinationen. Das Häm-Eisen aus dem Bündnerfleisch wird vom Körper ohnehin gut aufgenommen, doch das Vitamin C aus den Orangenschnitzen hilft zusätzlich bei der Verwertung des Nicht-Häm-Eisens aus dem begleitenden Linsensalat. Gleichzeitig gibt es sogenannte Antinährstoffe, die Sie meiden sollten. Die Polyphenole in Kaffee, Schwarztee oder Rotwein können die Eisenaufnahme massiv hemmen. Es ist daher ratsam, mindestens eine Stunde Abstand zwischen einer eisenreichen Mahlzeit und diesen Getränken einzuhalten. Eine Studie empfiehlt, dass mindestens 60 Minuten Abstand nötig sind, da Polyphenole die Aufnahme um bis zu 60% reduzieren können.

Schweizer Teller-Synergien: Lokale Kombinationen für bessere Eisenaufnahme

Traditionelle Schweizer Gerichte lassen sich für eine optimale Eisenaufnahme anpassen. Ein klassisches Beispiel ist Bündnerfleisch (reich an Häm-Eisen), serviert mit Orangenschnitzen. Bei einem Linseneintopf aus dem Seeland kann die Zugabe von gehackter Petersilie und roter Peperoni (beides reich an Vitamin C) die Absorption des pflanzlichen Eisens deutlich verbessern. Der sogenannte „Fleisch-Faktor“ ist ebenfalls bemerkenswert: Selbst eine kleine Menge Fleisch, wie im Zürcher Geschnetzelten, kann die Eisenaufnahme aus dem begleitenden Gemüse wie Spinat verdoppeln bis verdreifachen.

Doch manchmal reicht selbst die cleverste Ernährung nicht aus. Dann stellt sich die Frage, ob eine gezielte Supplementierung notwendig ist.

Pille oder Teller: Wann sind Supplemente wirklich notwendig?

Die Philosophie der Orthomolekularmedizin lautet: So viel wie nötig, so wenig wie möglich. Eine vollwertige, strategisch zusammengestellte Ernährung ist immer die Basis. Dennoch gibt es Situationen und spezifische Nährstoffe, bei denen eine alleinige Versorgung über die Nahrung in der Schweiz schwierig bis unmöglich ist. Ein entscheidender Faktor ist die unzureichende Sonneneinstrahlung im Winter, die dazu führt, dass laut einem Bericht des Bundesamts für Gesundheit rund 50% der Schweizer Bevölkerung nicht ausreichend mit Vitamin D versorgt sind.

Eine Supplementierung ist kein Ersatz für eine gesunde Ernährung, sondern eine gezielte Ergänzung, um diagnostizierte Mängel oder erhöhte Bedarfe zu decken. Dies gilt insbesondere für bestimmte Risikogruppen oder bei nachgewiesenen, niedrigen Laborwerten. Die Entscheidung „Pille oder Teller“ sollte immer datengestützt und idealerweise in Absprache mit einem Fachmann getroffen werden. Pauschale Empfehlungen sind selten zielführend, da die biochemische Individualität eines jeden Menschen berücksichtigt werden muss.

Die folgende Tabelle bietet einen an die Schweizer Verhältnisse angepassten Entscheidungsbaum, wann eine Supplementierung dringend empfohlen wird und wann eine Deckung über die Ernährung realistisch ist.

Schweizer Entscheidungsbaum: Supplementierung ja oder nein?
Kriterium Supplementierung empfohlen Über Ernährung möglich
Vitamin D (Oktober-April) Ja – 800-2000 IE täglich Nein – Sonnenlicht reicht nicht
Selen in der Schweiz Oft ja – selenarme Böden Schwierig – wenig in Lebensmitteln
Vegane Ernährung B12 Zwingend – 1000 µg 1-2x/Woche Unmöglich – nur tierische Quellen
Ferritin <50 µg/l Nach ärztlicher Abklärung Bei leichtem Mangel möglich

Eine unüberlegte Einnahme von Nahrungsergänzungsmitteln kann jedoch nicht nur wirkungslos, sondern sogar gefährlich sein. Das Wissen um die potenziellen Risiken ist daher unerlässlich.

Die Gefahr der Selbstmedikation: Welche Vitamine können toxisch wirken?

Der freie Zugang zu hochdosierten Nahrungsergänzungsmitteln verleitet viele Menschen zur Selbstmedikation nach dem Motto „viel hilft viel“. Dies ist ein gefährlicher Trugschluss. Während wasserlösliche Vitamine wie Vitamin C oder die meisten B-Vitamine bei einer Überdosierung meist einfach über die Nieren ausgeschieden werden, können sich fettlösliche Vitamine (A, D, E, K) sowie einige Mineralstoffe im Körper anreichern und toxische Effekte verursachen. Eine unkontrollierte Einnahme kann bestehende Probleme verschlimmern oder neue schaffen.

Ein oft unterschätztes Risiko liegt in der Interaktion verschiedener Nährstoffe. Eine übermässige Zufuhr eines Minerals kann die Aufnahme eines anderen blockieren und so einen Mangel an anderer Stelle provozieren. Dr. Gerhard Weigl, Facharzt für Labordiagnostik, warnt eindringlich vor diesem Effekt:

Eine zu hohe Zink-Supplementierung kann einen Kupfermangel verursachen, was ebenfalls zu Müdigkeit und Anämie führt – ein oft unterschätztes Risiko der Selbstmedikation.

– Dr. Gerhard Weigl, Facharzt für Medizinische und Chemische Labordiagnostik

Bevor Sie zu einem Supplement greifen, ist eine laborchemische Abklärung unerlässlich. Nur so können Sie sicherstellen, dass Sie gezielt auffüllen, was Ihnen fehlt, anstatt ein bereits bestehendes Gleichgewicht zu stören. Die Einhaltung sicherer Obergrenzen (Tolerable Upper Intake Levels) ist dabei von grösster Bedeutung.

Ihr Plan zur sicheren Supplementierung: Obergrenzen beachten

  1. Vitamin D prüfen: Eine Langzeiteinnahme sollte 4000 IE/Tag für Erwachsene nicht überschreiten, da eine Vergiftung ab 20.000 IE/Tag möglich ist.
  2. Vitamin A (Retinol) bewerten: Seien Sie vorsichtig mit hochdosierten Präparaten und übermässigem Verzehr von Leber. Pflanzliches Beta-Carotin (z.B. aus Karotten) ist hingegen ungefährlich.
  3. Vitamin B6 kontrollieren: Eine langfristige Einnahme von über 100 mg/Tag kann zu Nervenschäden führen. Wählen Sie niedrigere Dosen oder aktive Formen in Kombination.
  4. Eisen-Status messen: Supplementieren Sie Eisen niemals ohne einen vorherigen Bluttest (Ferritin). Eine Überdosierung ist toxisch und kann Organe wie Leber und Herz schädigen.
  5. Zink-Zufuhr limitieren: Eine tägliche Gesamtzufuhr von 25 mg sollte nicht überschritten werden, um den empfindlichen Kupferhaushalt nicht zu stören.

Ein besonderer Fall, der die Notwendigkeit einer gezielten und saisonalen Supplementierung in der Schweiz unterstreicht, ist das Vitamin D.

Wann sollten Sie im Schweizer Winter mit der Vitamin-D-Einnahme beginnen?

Vitamin D, das sogenannte „Sonnenvitamin“, ist in Wahrheit ein Hormon, das für unzählige Prozesse im Körper essenziell ist – von der Knochengesundheit über das Immunsystem bis hin zur Stimmung und Energie. Der Körper kann es unter Einwirkung von UV-B-Strahlung selbst herstellen. Der Haken: In der Schweiz ist dies nur in den Sommermonaten effektiv möglich. Eine simple Faustregel, die „Schattenregel“, hilft bei der Orientierung: Ist Ihr Schatten länger als Sie selbst, ist der Sonnenstand zu flach für eine nennenswerte Vitamin-D-Synthese.

Im Schweizer Winter ist der eigene Schatten fast den ganzen Tag über deutlich länger als die eigene Körpergrösse. Dies ist ein klares visuelles Signal, dass die körpereigene Produktion auf nahezu null sinkt.

Person im Schweizer Winterlicht zeigt längeren Schatten als Körpergrösse

Diese Beobachtung wird durch wissenschaftliche Daten untermauert. Eine vom Schweizerischen Nationalfonds (SNF) finanzierte Studie belegt, dass es von November bis April praktisch unmöglich ist, die empfohlene Vitamin-D-Dosis über Sonnenlicht zu synthetisieren, selbst wenn man sich 6,5 Stunden im Freien aufhält. Die Konsequenz ist klar: Von Oktober bis April ist fast die gesamte Schweizer Bevölkerung auf eine externe Zufuhr angewiesen, um einem Mangel vorzubeugen.

Der Ski-Mythos: Warum Wintersport nicht vor Vitamin-D-Mangel schützt

Ein weit verbreiteter Irrglaube ist, dass intensive Sonneneinstrahlung beim Skifahren in hochgelegenen Gebieten wie Zermatt oder St. Moritz ausreicht. Das ist falsch. Obwohl die UV-B-Strahlung in der Höhe intensiver ist, bleibt der Sonnenwinkel von November bis April zu flach. Zudem ist der Grossteil der Haut durch dicke Winterkleidung bedeckt, was eine Synthese verhindert. Das Universitätsspital Zürich empfiehlt daher explizit auch ambitionierten Wintersportlern eine Supplementierung mit 800-2000 IE Vitamin D täglich während der gesamten Wintermonate, um Mangelerscheinungen wie erhöhte Infektanfälligkeit und Müdigkeit zu vermeiden.

Neben den saisonalen Faktoren spielt auch die gezielte Auswahl von Lebensmitteln eine Rolle, um die Zufuhr von schützenden Mikronährstoffen zu maximieren.

Warum ist der violette Blumenkohl gesünder als der weisse?

Auf den ersten Blick mag es wie eine modische Laune der Natur wirken, doch die Farbe von Obst und Gemüse ist ein direkter Hinweis auf ihren Gehalt an sekundären Pflanzenstoffen. Diese bioaktiven Substanzen, zu denen auch die Farbstoffe gehören, haben oft starke gesundheitliche Wirkungen. Violetter Blumenkohl verdankt seine intensive Farbe den Anthocyanen – demselben potenten Antioxidans, das auch Heidelbeeren oder Rotkohl ihre charakteristische Färbung verleiht. Weissgezüchtetem Blumenkohl fehlen diese Stoffe fast vollständig.

Anthocyane sind für unsere Energieproduktion von besonderem Interesse. Sie wirken als starke Antioxidantien, die unsere Zellkraftwerke, die Mitochondrien, vor oxidativem Stress schützen. Geschädigte Mitochondrien können nicht mehr effizient Energie produzieren, was direkt zu Müdigkeit und Erschöpfung führt. Eine Ernährung, die reich an diesen farbenfrohen Verbindungen ist, unterstützt also direkt die Grundlage unserer zellulären Vitalität. Laut Studien enthält violetter Blumenkohl eine Konzentration an Anthocyanen, die mit der von Heidelbeeren vergleichbar ist, einer der bekanntesten Quellen.

Schweizer Super-Farben: ProSpecieRara Sorten für maximale Nährstoffe

In der Schweiz leistet die Stiftung ProSpecieRara einen wichtigen Beitrag zur Erhaltung alter, nährstoffreicher Gemüsesorten. Diese sind oft farbintensiver und reicher an sekundären Pflanzenstoffen als moderne, auf Ertrag optimierte Züchtungen. Auf Wochenmärkten und in spezialisierten Bio-Läden finden sich wahre Nährstoffbomben: die violetten „Pfälzer“ Karotten, blaue St. Galler Kartoffeln oder die tiefroten „Blutbirnen“. Der Griff zu diesen alten Sorten ist nicht nur ein Beitrag zur Biodiversität, sondern auch eine Investition in die eigene mitochondriale Gesundheit und damit in mehr Energie.

Wenn jedoch trotz einer optimierten Ernährung weiterhin Symptome auftreten, ist es an der Zeit, gezielt nach den verantwortlichen Spurenelementen zu fahnden.

Haarausfall und Müdigkeit: Wann sollten Sie Ihre Spurenelemente testen lassen?

Anhaltende Müdigkeit, begleitet von Symptomen wie Haarausfall, brüchigen Nägeln oder ständiges Frieren, kann ein deutlicher Hinweis auf einen Mangel an spezifischen Spurenelementen sein. Diese Mikronährstoffe werden nur in winzigen Mengen benötigt, sind aber für zentrale enzymatische Prozesse, die Hormonproduktion und den Energiestoffwechsel absolut unerlässlich. Insbesondere die Kombination von starker Müdigkeit und Haarausfall sollte die Alarmglocken läuten lassen, da sie oft auf einen Eisenmangel (niedriges Ferritin) oder eine Unterfunktion der Schilddrüse hindeutet, die wiederum durch einen Mangel an Jod und Selen verursacht werden kann.

Da die Symptome oft unspezifisch sind und sich überschneiden können, ist eine Selbstdiagnose schwierig und riskant. Ein gezielter Labortest, der über das Standard-Blutbild hinausgeht und die Werte für Zink, Selen und Kupfer im Vollblut misst, ist hier der einzig sinnvolle Weg. Dies ist besonders relevant in Regionen wie der Schweiz, wo Böden bekanntermassen selenarm sein können, was eine ausreichende Versorgung über die Nahrung erschwert. Ein Mangel an diesen Elementen kann die Leistungsfähigkeit über Monate oder Jahre schleichend untergraben, ohne dass die Ursache erkannt wird.

Die folgende Checkliste kann Ihnen als erste Orientierung dienen, um mögliche Mängel zu identifizieren und gezielt mit Ihrem Arzt zu besprechen:

  • Weisse Flecken auf den Nägeln: Könnte auf einen Zinkmangel hindeuten, der für das Immunsystem und die Wundheilung wichtig ist.
  • Ständiges Frieren + Haarausfall: Ein klassisches Zeichen für eine Schilddrüsenunterfunktion. Eine Prüfung von Jod und Selen ist ratsam.
  • Extreme Müdigkeit + blasse Haut: Weist stark auf einen Eisenmangel hin. Ein Ferritin-Wert unter 50 µg/l ist wahrscheinlich.
  • Konzentrationsstörungen + brüchige Nägel: Ebenfalls typische Symptome eines fortgeschrittenen Eisenmangels.
  • Muskelkrämpfe + Herzstolpern: Oft ein Zeichen für einen Magnesiummangel, der den Energiestoffwechsel direkt beeinflusst.

Während viele Nährstoffmängel durch eine angepasste Ernährung behoben werden können, gibt es einen Nährstoff, bei dem dies für eine bestimmte Bevölkerungsgruppe schlicht unmöglich ist.

Das Wichtigste in Kürze

  • Optimale Energie erfordert Laborwerte im oberen Normalbereich (z.B. Ferritin >70 µg/l), nicht nur das Erreichen von Mindestwerten.
  • Nährstoff-Synergie ist entscheidend: Kombinieren Sie Vitamin-C-reiche Lebensmittel mit pflanzlichem Eisen und meiden Sie „Nährstoffräuber“ wie Kaffee zu den Mahlzeiten.
  • In der Schweiz ist eine Vitamin-D-Supplementierung von Oktober bis April aufgrund des flachen Sonnenwinkels für fast jeden unerlässlich.

Warum ist Vitamin B12 das einzige Supplement, über das Veganer nicht diskutieren dürfen?

In der Welt der veganen Ernährung gibt es viele Debatten über Nährstoffe, doch bei Vitamin B12 herrscht wissenschaftlicher Konsens: Eine rein pflanzliche Ernährung kann den Bedarf nicht decken. Dieses Vitamin ist für die Blutbildung, die Zellteilung und die Funktion des Nervensystems von entscheidender Bedeutung. Ein Mangel führt zu schwerer, oft irreversibler Anämie und neurologischen Schäden. Die Müdigkeit ist dabei nur das erste, mildeste Symptom.

Vitamin B12 wird ausschliesslich von Mikroorganismen produziert und kommt in nennenswerten Mengen nur in tierischen Produkten vor. Hartnäckige Mythen über pflanzliche B12-Quellen werden von offizieller Seite klar widerlegt. Das Schweizer Bundesamt für Lebensmittelsicherheit und Veterinärwesen (BLV) stellt unmissverständlich fest:

B12 aus Spirulina enthält nur inaktive Analoge, ungewaschenes Bio-Gemüse ist unzuverlässig und unhygienisch, und die körpereigene Produktion findet im Dickdarm statt, wo es nicht mehr aufgenommen werden kann.

– Bundesamt für Lebensmittelsicherheit und Veterinärwesen, Offizielle Empfehlungen zur veganen Ernährung

Die Supplementierung von Vitamin B12 ist für Veganer daher keine Option, sondern eine absolute Notwendigkeit. Auf Experimente zu verzichten ist hier ein Akt der gesundheitlichen Selbstverantwortung.

Risikogruppen für B12-Mangel in der Schweiz jenseits des Veganismus

Es ist ein Fehler anzunehmen, nur Veganer seien betroffen. In der Schweiz gibt es weitere grosse Risikogruppen. Menschen über 50 Jahre produzieren oft weniger Magensäure, die für die Aufnahme von B12 aus der Nahrung notwendig ist. Personen, die Säureblocker (PPIs) einnehmen – ein in der Schweiz sehr häufig verschriebenes Medikament – haben ebenfalls ein stark erhöhtes Risiko für einen Mangel. Auch Diabetes-Patienten, die Metformin einnehmen, können B12 schlechter resorbieren. Für diese Gruppen ist eine regelmässige Kontrolle des B12-Status und gegebenenfalls eine Supplementierung mit aktiven Formen wie Methylcobalamin und Adenosylcobalamin dringend anzuraten. Zur Prävention kann eine Dosis von 1000 µg ein- bis zweimal wöchentlich ausreichen.

Der Weg zu nachhaltiger Energie führt über präzises Wissen und gezieltes Handeln. Anstatt pauschal „gesünder“ zu essen, beginnen Sie damit, Ihre individuelle biochemische Landkarte zu verstehen und Ihre Ernährung sowie mögliche Supplemente strategisch darauf abzustimmen. Fordern Sie eine umfassende Blutanalyse an, die über den Standard hinausgeht, und werden Sie zum Manager Ihrer eigenen zellulären Energie.

Geschrieben von Dr. med. Jonas Aebischer, Facharzt für Innere Medizin und Ernährungsmediziner mit eigener Praxis in Zürich, spezialisiert auf Stoffwechselerkrankungen und Präventivmedizin. Er verfügt über 15 Jahre Erfahrung in der klinischen Behandlung von Diabetes und Mangelerscheinungen.