Veröffentlicht am Mai 15, 2024

Die massive Abhängigkeit der Schweiz von Soja-Importen für die Proteinversorgung stellt ein wachsendes ökologisches und strategisches Risiko dar. Die Süsslupine ist die systemische Antwort auf diese Herausforderung.

  • Sie düngt Böden auf natürliche Weise selbst und reduziert den Bedarf an externen Düngemitteln, was die Schweizer Gewässer schont.
  • Ihr extrem niedriger Wasserbedarf und der lokale Anbau minimieren den CO2-Fussabdruck und beenden den virtuellen Wasserimport aus Krisenregionen.

Empfehlung: Der schrittweise Ersatz von importierten Proteinen durch heimische Lupinenprodukte ist nicht nur ein Gewinn für die Umwelt, sondern stärkt direkt Ihre persönliche Resilienz, die nationale Versorgungssicherheit und entlastet Ihr Budget.

Die Diskussion um eine nachhaltige Ernährung in der Schweiz dreht sich oft um die Reduktion von Fleischkonsum. Doch ein entscheidender Faktor bleibt häufig im Schatten: unsere massive Abhängigkeit von importiertem Soja, das als Futtermittel und zunehmend auch für vegetarische Produkte dient. Diese Abhängigkeit schafft nicht nur lange Transportwege und fördert die Abholzung in Südamerika, sondern macht unsere Lebensmittelversorgung anfällig für globale Lieferkettenkrisen. Die Suche nach einer lokalen, resilienten und ökologischen Proteinquelle ist daher keine Nischenfrage mehr, sondern eine strategische Notwendigkeit für die Schweiz.

Viele suchen die Lösung in Erbsen- oder Insektenprotein. Doch was, wenn die potenteste Antwort bereits seit Jahrhunderten auf europäischen Feldern wächst, aber lange in Vergessenheit geraten war? Die Süsslupine ist weit mehr als nur eine weitere pflanzliche Alternative. Sie ist ein agrarökologisches Kraftpaket. Im Gegensatz zu den meisten anderen Nutzpflanzen entzieht sie dem Boden keine Nährstoffe, sondern reichert ihn an. Sie ist ein zentraler Baustein für eine regenerative Landwirtschaft und echte Protein-Autarkie.

Dieser Artikel bricht mit der oberflächlichen Betrachtung von Lupinen als blossem „Soja-Ersatz“. Wir analysieren aus agrarökonomischer Sicht, warum diese Pflanze ein systemischer Vorteil für die Schweizer Landwirtschaft und Krisensicherheit ist. Wir tauchen tief in die Mechanismen ein, die sie so ressourcenschonend machen, zeigen ihre vielseitige und köstliche Anwendung in der modernen Küche und quantifizieren das konkrete Sparpotenzial für Ihren Haushalt. Es ist an der Zeit, die Lupine nicht als Trend, sondern als strategische Investition in unsere Ernährungszukunft zu verstehen.

Um die volle Tragweite dieser heimischen Super-Pflanze zu verstehen, beleuchten wir ihre Vorteile schrittweise: von ihrer einzigartigen Wirkung auf unsere Böden über ihre kulinarischen Möglichkeiten bis hin zu ihrer Bedeutung für die nationale Resilienz. Der folgende Überblick führt Sie durch die zentralen Aspekte.

Warum braucht die Lupine keinen Dünger und verbessert unsere Böden?

Die vielleicht revolutionärste Eigenschaft der Lupine liegt unsichtbar unter der Erde. Anders als die meisten Kulturpflanzen, die dem Boden Stickstoff entziehen und künstliche Düngung erfordern, ist die Lupine eine „Leguminose“ und agiert als kleine, natürliche Düngerfabrik. Sie geht eine Symbiose mit speziellen Knöllchenbakterien (Rhizobien) in ihren Wurzeln ein. Diese Bakterien sind in der Lage, Stickstoff direkt aus der Luft zu binden und in eine für Pflanzen verfügbare Form umzuwandeln. Das Resultat ist eine beeindruckende Win-Win-Situation für das gesamte Agrar-Ökosystem.

Makroaufnahme von Lupinenwurzeln mit sichtbaren Knöllchenbakterien, welche die Stickstofffixierung ermöglichen

Für die Landwirtschaft in der Schweiz bedeutet dies eine signifikante Reduktion des Bedarfs an synthetischen Stickstoffdüngern, deren Produktion extrem energieintensiv ist und deren übermässiger Einsatz die Grundwasserreserven mit Nitrat belastet. Untersuchungen von Bioaktuell und dem FiBL zeigen, dass Lupinen der nachfolgenden Kulturpflanze in der Fruchtfolge bis zu 80-120 kg Stickstoff pro Hektar kostenlos zur Verfügung stellen. Dieser Effekt ist nicht nur ökonomisch, sondern vor allem ökologisch von unschätzbarem Wert.

Langfristig führt der Anbau von Lupinen zu einer messbaren Verbesserung der Bodenfruchtbarkeit. Der renommierte DOK-Langzeitversuch in Therwil (BL), der seit über 40 Jahren biologische und konventionelle Anbausysteme vergleicht, belegt dies eindrücklich: Systeme mit Leguminosen wie der Lupine weisen eine bis zu 83% höhere Aktivität von Bodenorganismen und signifikant höhere Humusgehalte auf. Ein lebendiger, humusreicher Boden kann mehr Wasser speichern, ist widerstandsfähiger gegen Erosion und fördert eine gesunde Pflanzenentwicklung – die Grundlage für eine resiliente und souveräne Landwirtschaft.

Wie backen Sie mit Lupinenmehl, um den Proteingehalt Ihres Brotes zu verdoppeln?

Über den ökologischen Nutzen hinaus ist Lupinenmehl eine kulinarische Bereicherung mit einem herausragenden Nährwertprofil. Mit einem Proteingehalt von bis zu 42% übertrifft es Weizen- und Dinkelmehl um das Drei- bis Vierfache und stellt selbst Sojaschrot in den Schatten. Dies macht es zu einer idealen Zutat, um den Proteingehalt von Backwaren auf einfache Weise massiv zu steigern, was besonders für Sportler, Vegetarier und alle, die auf eine bewusste Ernährung achten, interessant ist.

Die Verwendung von Lupinenmehl erfordert jedoch eine kleine Anpassung klassischer Rezepte, da sein hohes Quellvermögen und das Fehlen von Gluten die Teigstruktur beeinflussen. Die grundlegende Regel lautet: Ersetzen Sie 10-15% der Gesamtmehlmenge durch Lupinenmehl. Diese Menge ist ideal, um von den Vorteilen zu profitieren, ohne den Geschmack negativ zu beeinflussen oder die Backeigenschaften zu stark zu verändern. Das Mehl verleiht den Backwaren eine angenehme, leicht nussige Note und eine ansprechende goldgelbe Farbe.

Der hohe Proteingehalt und die andere Zusammensetzung bedeuten, dass der Teig etwas mehr Aufmerksamkeit benötigt. Da Lupinenmehl mehr Flüssigkeit bindet, sollten Sie die Wassermenge im Rezept um etwa 10-15% erhöhen. Auch die Knetzeit darf gerne um einige Minuten verlängert werden, um dem Weizen- oder Dinkelgluten Zeit zu geben, ein stabiles Gerüst zu entwickeln. Das Ergebnis ist ein saftiges, länger haltbares Brot mit einer deutlich verbesserten Nährstoffbilanz.

Um die Überlegenheit von Lupinenmehl zu verdeutlichen, hier ein direkter Vergleich der Nährwerte und Kosten in der Schweiz:

Proteingehalt verschiedener Mehlsorten im Vergleich
Mehlsorte Proteingehalt pro 100g Biologische Wertigkeit Preis CHF/kg
Lupinenmehl 36-42g 85% 8.90
Weizenmehl 10-12g 56% 1.80
Dinkelmehl 12-15g 62% 3.20
Sojaschrot 38g 81% 6.50

Joghurt oder Eis: Welche Lupinen-Produkte schmecken wirklich gut?

Der Siegeszug der Lupine beschränkt sich nicht auf Mehl. Die Lebensmitteltechnologie hat das Potenzial des heimischen Proteins erkannt und entwickelt eine wachsende Palette an innovativen und schmackhaften Produkten. Von Joghurt-Alternativen über Eiscreme bis hin zu Aufstrichen und Fleischersatz – die Lupine beweist ihre Vielseitigkeit. Ihr Vorteil gegenüber Soja liegt oft in einem dezenteren, weniger dominanten Eigengeschmack, der als herzhaft-nussig mit einer leichten Süsse beschrieben wird.

Einige der überzeugendsten Produkte sind fermentierte Alternativen wie Joghurt. Die Lupinenbasis sorgt für eine cremige Textur, die ohne viele Zusatzstoffe auskommt. Auch Lupinen-Eiscreme gewinnt an Popularität, da das Protein als natürlicher Emulgator wirkt und für ein vollmundiges Gefühl sorgt. Diese Produkte sind mittlerweile in gut sortierten Schweizer Bio-Läden und zunehmend auch in Grossverteilern wie Coop (unter der Marke „Karma“) oder Migros zu finden.

Ein Paradebeispiel für Schweizer Innovationskraft in diesem Bereich ist das Startup „Planted“. Obwohl sie eine Mischung aus verschiedenen Proteinen verwenden, ist die Lupine oft ein wichtiger Bestandteil ihrer Fleischersatzprodukte. Die Produkte von Planted sind ein Beweis dafür, dass pflanzliche Alternativen aus lokaler Produktion geschmacklich und texturell überzeugen können.

Erfolgsgeschichte: Das Schweizer Startup Planted

Das Zürcher Startup Planted hat den Markt für Fleischalternativen revolutioniert, indem es unter anderem auf Lupinen als Proteinquelle setzt. Ihr „planted.chicken“ beispielsweise weist eine beeindruckende Nährstoffdichte von 25.7g Protein auf nur 151 kcal pro 100g auf. Durch ein innovatives physikalisches Verfahren (Nassextrusion) wird eine verblüffend fleischähnliche Faserstruktur erzeugt. Das Ernährungszentrum Schweiz bewertete es als „geniales Produkt“ und hob die hohe Qualität hervor. Mit einer starken Präsenz bei Grosshändlern wie Coop zeigt Planted, dass nachhaltige, in der Schweiz entwickelte Lupinenprodukte wirtschaftlich erfolgreich und bei den Konsumenten beliebt sind.

Das versteckte Risiko: Warum müssen Erdnuss-Allergiker bei Lupinen aufpassen?

Bei all den ökologischen und ernährungsphysiologischen Vorteilen ist es entscheidend, auch das Thema Allergien transparent anzusprechen. Die Lupine gehört wie die Erbse, Bohne oder Sojabohne zur Familie der Hülsenfrüchte. Für die allermeisten Menschen ist ihr Verzehr völlig unbedenklich. Das Allergiepotenzial der Süsslupine wird generell nicht höher eingestuft als das anderer Hülsenfrüchte. Es gibt jedoch eine wichtige Ausnahme: Personen mit einer bestehenden Erdnuss-Allergie.

Nahaufnahme eines Produktetiketts in einem Schweizer Supermarkt, das den Allergenhinweis für Lupinen deutlich hervorhebt

Da Erdnüsse ebenfalls zu den Hülsenfrüchten zählen, besteht eine botanische Verwandtschaft zur Lupine. Dies kann zu sogenannten Kreuzallergien führen. Das Immunsystem eines Erdnuss-Allergikers kann die Proteine der Lupine fälschlicherweise als Erdnuss-Proteine identifizieren und eine allergische Reaktion auslösen. Diese Reaktionen können von leichten Symptomen wie Hautausschlag bis hin zu schweren anaphylaktischen Schocks reichen. Daher gilt für Menschen mit einer diagnostizierten Erdnuss-Allergie die strikte Empfehlung, auf Lupinenprodukte zu verzichten.

Die Expertin für basische Ernährung, Sabine Voshage, fasst es prägnant zusammen:

Für Erdnussallergiker könnte es zu einer Kreuzallergie kommen, ansonsten weist das Lupineneiweiß kein höheres Allergiepotenzial als andere Hülsenfrüchte auf.

– Sabine Voshage, Die Basenexpertin – Basische Ernährung

In der Schweiz unterliegt die Lupine der gesetzlichen Deklarationspflicht für Allergene. Das bedeutet, dass sie auf Lebensmittelverpackungen klar und deutlich als Zutat aufgeführt und im Zutatenverzeichnis hervorgehoben werden muss. Dies bietet Konsumenten die notwendige Sicherheit, eine informierte Entscheidung zu treffen. Für die grosse Mehrheit der Bevölkerung ohne entsprechende Vorbelastung bleibt die Lupine jedoch eine sichere und äusserst gesunde Proteinquelle.

Wie kochen Sie die ganzen Kerne als Alternative zu Kichererbsen?

Neben dem verarbeiteten Mehl oder Schrot lassen sich auch die ganzen, getrockneten Süsslupinenkerne hervorragend in der Küche einsetzen. Sie sind eine wunderbare heimische Alternative zu Kichererbsen oder Bohnen und eignen sich perfekt für Salate, Bowls, Eintöpfe oder als gerösteter, proteinreicher Snack. Im Vergleich zu Kichererbsen bleiben sie nach dem Kochen etwas fester und knackiger, was für eine interessante Textur sorgt. Ihr Geschmack ist nussig und leicht süsslich.

Die Zubereitung der getrockneten Kerne ist unkompliziert, erfordert aber etwas Vorbereitung, ähnlich wie bei anderen getrockneten Hülsenfrüchten. Die richtige Vorgehensweise ist entscheidend, um sie bekömmlich und schmackhaft zu machen. Folgen Sie einfach diesen Schritten:

  1. Einweichen: Die Lupinenkerne müssen mindestens 12 Stunden, am besten über Nacht, in reichlich kaltem Wasser eingeweicht werden. Dadurch quellen sie auf und die Kochzeit verkürzt sich.
  2. Abspülen: Giessen Sie das Einweichwasser unbedingt weg und spülen Sie die Kerne unter fliessendem Wasser gründlich ab.
  3. Kochen: Geben Sie die Kerne in einen Topf mit frischem, ungesalzenem Wasser und lassen Sie sie bei mittlerer Hitze für etwa 40-60 Minuten köcheln, bis sie die gewünschte Bissfestigkeit erreicht haben.
  4. Verarbeiten: Nach dem Abgiessen können die Kerne direkt für Salate verwendet oder in der Pfanne mit Gewürzen geröstet werden, bis sie knusprig sind.

Ein grossartiges Beispiel für die moderne Verwendung von Lupinenkernen ist die „Planetary Health Bowl“. Das Konzept, entwickelt von Food-Bloggern wie ‚Eat this!‘, kombiniert die heimische Proteinquelle mit saisonalem Schweizer Gemüse. In diesem Kontext wird die Süsslupine explizit als ideale lokale Alternative zu importierten Zutaten gelobt, da sie nicht nur alle essentiellen Aminosäuren liefert, sondern auch den Boden verbessert und perfekt zum regionalen Anbau passt. Eine solche Bowl ist nicht nur ein Genuss, sondern auch ein Statement für eine nachhaltige und resiliente Ernährung.

Warum verbraucht ein Rindersteak 100-mal mehr Wasser als ein Insektenburger?

Die Diskussion über nachhaltige Proteine wird oft auf den CO2-Fussabdruck reduziert. Ein ebenso kritischer, aber seltener diskutierter Faktor ist der Wasser-Fussabdruck. Hierbei geht es nicht nur um das direkte Trinkwasser für Tiere, sondern um das gesamte „virtuelle Wasser“, das für die Produktion benötigt wird – insbesondere für den Anbau des Futters. Und genau hier wird der systemische Vorteil von lokal angebauten Lupinen gegenüber der konventionellen Fleischproduktion, die auf importiertem Soja basiert, dramatisch sichtbar.

Für die Produktion von einem Kilogramm Rindfleisch werden bis zu 15’000 Liter Wasser benötigt. Ein Grossteil davon fliesst in den Anbau von Futtermitteln wie Soja, das oft in Regionen wie Brasilien angebaut wird, wo Wasserknappheit herrscht und natürliche Ökosysteme für den Anbau zerstört werden. Mit dem Import von Soja importiert die Schweiz also indirekt Milliarden Liter virtuelles Wasser aus ökologisch sensiblen Gebieten. Pflanzliche Proteine wie die aus Insekten sind hier mit ca. 150 Litern pro Kilogramm bereits deutlich sparsamer.

Die Süsslupine spielt jedoch in einer eigenen Liga. Dank ihrer tiefen Pfahlwurzeln kann sie Wasser aus tieferen Bodenschichten erschliessen und kommt im gemässigten Schweizer Klima in der Regel komplett ohne künstliche Bewässerung aus. Ihr Wasser-Fussabdruck ist minimal und stammt fast ausschliesslich aus dem natürlichen Niederschlag. Wie das Forschungsinstitut für biologischen Landbau (FiBL) betont, hat der lokale Anbau von Leguminosen wie der Lupine einen direkten positiven Effekt: Er reduziert den virtuellen Wasserimport drastisch und schützt gleichzeitig die nationalen Grundwasserreserven, da durch den Verzicht auf Stickstoffdünger die Nitratbelastung sinkt. Jedes Kilogramm Lupinenprotein, das importiertes Soja-basiertes Protein ersetzt, ist somit ein direkter Gewinn für die globale und lokale Wasserbilanz.

Krisensicherheit: Warum stärkt lokale Produktion die Schweiz in globalen Krisen?

Die globalen Ereignisse der letzten Jahre – von der Pandemie bis zu geopolitischen Konflikten – haben die Fragilität unserer internationalen Lieferketten brutal offengelegt. Eine hohe Importabhängigkeit, insbesondere bei strategisch wichtigen Gütern wie Lebens- und Futtermitteln, ist ein erhebliches Risiko für die nationale Versorgungssicherheit. Die Schweiz, mit einem Selbstversorgungsgrad von unter 60%, ist hier besonders exponiert. Der Anbau von Süsslupinen auf Schweizer Böden ist deshalb nicht nur eine ökologische Massnahme, sondern ein fundamentaler Baustein für mehr Resilienz und Agrar-Souveränität.

Jeder Hektar, auf dem Lupinen angebaut werden, reduziert die Notwendigkeit, Soja oder andere Proteinträger über tausende von Kilometern aus Übersee zu importieren. Dies verringert nicht nur die Abhängigkeit von volatilen Weltmarktpreisen und Transportkapazitäten, sondern stärkt auch die lokale Wertschöpfungskette. Landwirte erhalten eine profitable Anbaualternative, Verarbeitungsbetriebe in der Schweiz sichern sich Rohstoffe und Konsumenten profitieren von einer transparenten und rückverfolgbaren Herkunft. Die Forschungsanstalt Agroscope unterstreicht diese strategische Bedeutung:

Die Stickstoffnachlieferung der Körnerleguminosen an die Folgekulturen ist ein wichtiger Baustein für die Ernährungssouveränität der Schweiz.

– Agroscope

Der Kontrast zwischen importiertem Soja und heimischen Lupinen lässt sich am besten in einer direkten Gegenüberstellung der strategischen Faktoren erkennen:

Selbstversorgungsgrad: Import-Soja vs. Schweizer Lupinen
Parameter Import-Soja Schweizer Lupinen
Transportweg 10’000+ km 0-100 km
CO2-Fussabdruck Hoch (Schiffstransport) Minimal
Versorgungssicherheit Anfällig bei Krisen Garantiert
Preisstabilität Volatil (Weltmarkt) Stabil (Inland)
Rückverfolgbarkeit Schwierig 100% transparent

In einer unsicheren Welt ist die Fähigkeit, die eigene Bevölkerung mit hochwertigem Protein zu versorgen, keine Selbstverständlichkeit. Die Süsslupine bietet der Schweiz die Chance, ihre Protein-Autarkie schrittweise zu erhöhen und sich damit ein Stück unabhängiger und krisenfester zu machen.

Das Wichtigste in Kürze

  • Die Süsslupine ist keine blosse Soja-Alternative, sondern ein systemischer Gewinn für die Schweiz: Sie regeneriert Böden, spart Wasser und stärkt die nationale Versorgungssicherheit.
  • Durch den Ersatz von 10-15% des Mehls mit Lupinenmehl können Sie den Proteingehalt Ihres Brotes verdoppeln und gleichzeitig die Saftigkeit verbessern.
  • Der strategische Wechsel zu heimischen Lupinenprodukten reduziert die Abhängigkeit von volatilen Weltmärkten und kann Ihrem Haushalt monatliche Einsparungen von bis zu 150 CHF ermöglichen.

Wie sparen Sie 150 CHF im Monat, indem Sie Fleisch strategisch reduzieren?

Der Umstieg auf heimische Proteine wie die Lupine ist nicht nur ein Gewinn für die Umwelt und die nationale Resilienz, sondern auch eine äusserst wirksame Strategie, um die monatlichen Haushaltsausgaben spürbar zu senken. Die Kosten für hochwertiges Protein sind ein wesentlicher Posten im Lebensmittelbudget. Ein direkter Preisvergleich in Schweizer Supermärkten zeigt das enorme Sparpotenzial: Während 100g Rindfleisch je nach Qualität zwischen 4 und 6 CHF kosten, liefert Lupinenschrot für rund 0.90 CHF eine vergleichbare Menge an Protein.

Der Schlüssel liegt im strategischen, nicht im vollständigen, Ersatz. Indem Sie nur zwei bis drei fleischbasierte Mahlzeiten pro Woche durch günstigere, aber ebenso nahrhafte Lupinen-Alternativen ersetzen, können Sie erhebliche Einsparungen erzielen, ohne auf Genuss oder Sättigung verzichten zu müssen. Ein Kilo Hackfleisch für eine Bolognese-Sauce kostet schnell über 20 CHF, während die gleiche Menge Lupinenschrot für unter 10 CHF zu haben ist – bei ähnlichem Proteingehalt und exzellentem Geschmack.

Dieses Sparpotenzial lässt sich mit einem einfachen Wochenplan konkretisieren. Es geht nicht um radikalen Verzicht, sondern um kluge Substitution an den richtigen Stellen. Der Austausch von teuren Convenience-Produkten oder Fleischgerichten durch selbst zubereitete Lupinen-Mahlzeiten schont nicht nur das Portemonnaie, sondern fördert auch eine bewusstere und gesündere Ernährungsweise. Die monatliche Ersparnis kann leicht die Marke von 100 CHF übersteigen und bei konsequenter Umsetzung sogar 150 CHF erreichen – Geld, das für andere wichtige Ausgaben oder zur Seite gelegt werden kann.

Ihr Lupinen-Sparplan: Wocheneinkauf für die Schweiz optimieren

  1. Hackfleisch ersetzen: Tauschen Sie bei Gerichten wie Bolognese oder Lasagne 500g Rinderhackfleisch (ca. 8-10 CHF) gegen 500g Lupinenschrot (ca. 4.50 CHF). Wöchentliche Ersparnis: ~4-5 CHF.
  2. Poulet-Salat neu denken: Statt Pouletstreifen (ca. 5 CHF pro Portion) eine Handvoll gekochte Lupinenkerne in den Salat geben. Ersparnis pro Mahlzeit: ~4 CHF.
  3. Burger-Patty selbst machen: Bereiten Sie Burger-Patties aus Lupinenschrot statt aus Rindfleisch zu. Ersparnis pro Burger-Mahlzeit: ~3-4 CHF.
  4. Wochenbilanz ziehen: Ersetzen Sie drei Fleischmahlzeiten pro Woche nach diesem Prinzip. Ihre wöchentliche Ersparnis liegt bei ca. 30-35 CHF.
  5. Monatliche Gesamtersparnis kalkulieren: Auf den Monat hochgerechnet ergibt dies eine realistische Entlastung Ihres Budgets von 120 bis 150 CHF.

Indem Sie diese einfachen Schritte befolgen, können Sie Ihr Budget spürbar entlasten und gleichzeitig einen Beitrag zu einer nachhaltigeren Ernährung leisten.

Beginnen Sie noch heute damit, diese Vorteile für sich und für die Schweiz zu nutzen. Probieren Sie ein Rezept aus, achten Sie beim nächsten Einkauf auf heimische Lupinenprodukte und werden Sie Teil einer Bewegung, die Genuss, Ökologie und ökonomische Vernunft miteinander verbindet. Jeder kleine Schritt stärkt unsere gemeinsame Resilienz.

Fragen fréquentes sur Warum ist die Süsslupine die ökologischste Proteinquelle Europas?

Warum ist der Wasserbedarf von Lupinen so niedrig?

Lupinen haben tiefe Pfahlwurzeln und können Wasser aus tieferen Bodenschichten nutzen. Sie benötigen keine künstliche Bewässerung im Schweizer Klima.

Wie berechnet sich der virtuelle Wasserimport der Schweiz?

Durch Soja-Importe für Tierfutter importiert die Schweiz jährlich virtuell Milliarden Liter Wasser aus Brasilien und Argentinien.

Welchen Einfluss hat lokaler Lupinenanbau auf Schweizer Wasserressourcen?

Lokaler Anbau reduziert den virtuellen Wasserimport und schützt die nationalen Grundwasserreserven vor Nitratbelastung.

Geschrieben von Beat Imhof, Agrarwissenschaftler ETH und Berater für nachhaltige Landwirtschaft im Berner Seeland. Er ist spezialisiert auf Bio-Zertifizierungen, saisonalen Anbau und lokale Lieferketten.