
Die bessere Verträglichkeit von Dinkelbrot ist kein Zufall, sondern das Ergebnis einer bewussten Abkehr von industrieller Massenproduktion hin zu altem Kornwissen und handwerklicher Geduld.
- Urgetreide wie Einkorn hat eine einfachere genetische Struktur und oft weniger problematische Proteine (ATIs), die Verdauungsbeschwerden auslösen können.
- Traditionelle Methoden wie lange Sauerteigführung und Kochstücke bauen schwer verdauliche Zucker (FODMAPs) ab und machen das Brot bekömmlicher und aromatischer.
Empfehlung: Suchen Sie gezielt nach Bäckereien, die mit zertifiziertem Schweizer UrDinkel und langer Teigreife arbeiten, oder wagen Sie sich selbst ans Backen mit hochwertigem Mehl aus regionalen Mühlen.
Fühlen Sie sich nach dem Genuss einer Scheibe Supermarktbrot oft aufgebläht und unwohl? Sie sind nicht allein. Viele Menschen schieben die Schuld auf das Gluten oder den Weizen selbst und greifen zu Dinkel als vermeintlich bekömmlichere Alternative. Doch die schnelle Antwort ist selten die ganze Wahrheit. Oft wird übersehen, dass die wahre Ursache für Unverträglichkeiten nicht nur im Korn selbst liegt, sondern tief in der Art und Weise, wie unser Brot heute hergestellt wird: schnell, effizient und optimiert für den Profit, nicht für unseren Darm.
Als Müllermeister und Brot-Sommelier sehe ich täglich den fundamentalen Unterschied. Es ist eine Frage der Genetik des Getreides, der Geduld bei der Verarbeitung und der Qualität des Bodens, auf dem es wächst. Die wahre Magie liegt nicht darin, Weizen einfach durch Dinkel zu ersetzen. Sie liegt in der Rückbesinnung auf ein Handwerk, das dem Teig Zeit gibt, sein volles Potenzial zu entfalten – ein Konzept, das ich als „Verarbeitungs-Tiefe“ bezeichne. Es geht um das Zusammenspiel von altem Kornwissen, dem „Korn-Terroir“ unserer Schweizer Böden und der Geduld eines Bäckers, der dem Teig erlaubt zu atmen, zu reifen und seine komplexen Strukturen aufzuschliessen.
Dieser Artikel nimmt Sie mit auf eine Reise hinter die Kruste des Brotes. Wir werden nicht bei der einfachen Gegenüberstellung von Dinkel und Weizen stehen bleiben. Stattdessen decken wir auf, warum die Chromosomenzahl eines Korns entscheidend für Ihren Darm sein kann, wie traditionelle Backmethoden die Bekömmlichkeit radikal verbessern und wo Sie in der Schweiz noch echtes, unverfälschtes Urgetreide finden. Es ist an der Zeit zu verstehen, dass gutes Brot mehr ist als nur Mehl und Wasser – es ist ein Stück lebendige Kultur und Handwerk.
In den folgenden Abschnitten werden wir die Geheimnisse hinter verträglichem und geschmackvollem Brot lüften. Von der Wissenschaft des Korns über die Kunst des Backens bis hin zur Auswahl der richtigen Zutaten für Ihre Küche – machen Sie sich bereit, Brot neu zu entdecken.
Inhaltsverzeichnis: Der Weg zu bekömmlicherem Brot aus Schweizer Handwerk
- Warum hat Einkorn weniger Chromosomen und was bedeutet das für Ihren Darm?
- Wie verhindern Sie, dass Ihr Dinkelbrot trocken und krümelig wird?
- Wo finden Sie echtes Urkorn aus Schweizer Anbau und nicht aus Import?
- Der gefährliche Irrtum: Warum ist Urgetreide absolut tabu für Zöliakie-Betroffene?
- Wann ist Ihr Sauerteig reif: Die Geduldsprobe für das perfekte Urkornbrot
- Weissmehl oder Vollkorn: Welches Mehl eignet sich wirklich für Zopf und Wähe?
- Vollkornreis oder Parboiled: Welches Korn liefert Energie für den Marathon-Meeting-Tag?
- Wie kochen Sie mit Schweizer Berglinsen ein Gourmet-Gericht für unter 5 Franken?
Warum hat Einkorn weniger Chromosomen und was bedeutet das für Ihren Darm?
Die Diskussion über die Verträglichkeit von Getreide beginnt auf der fundamentalsten Ebene: der Genetik. Moderner Weizen ist ein sogenannter Hexaploid, das heisst, er besitzt einen komplexen Chromosomensatz (42 Chromosomen), der aus Kreuzungen verschiedener Gräserarten über Jahrtausende entstanden ist. Urgetreide wie Einkorn ist hingegen ein Diploid mit nur 14 Chromosomen – die genetisch einfachste und ursprünglichste Form des Weizens. Diese geringere „Chromosomen-Komplexität“ hat direkte Auswirkungen auf die Proteinstruktur des Korns. Während Dinkel (ebenfalls ein Hexaploid) oft als bekömmlicher empfunden wird, zeigt die Wissenschaft, dass Einkorn für Menschen mit einer Nicht-Zöliakie-Weizensensitivität (NZWS) eine noch bessere Wahl sein könnte.
Der Grund liegt oft in einer Gruppe von Proteinen namens Amylase-Trypsin-Inhibitoren (ATIs). Diese natürlichen Abwehrstoffe der Pflanze können bei empfindlichen Menschen das Immunsystem im Darm aktivieren und zu Entzündungen und Beschwerden führen. Hier zeigt sich der Vorteil der einfachen Genetik: Eine Studie des Leibniz-Instituts fand heraus, dass von acht untersuchten Einkorn-Sorten fünf praktisch keine nachweisbaren ATIs aufwiesen. Im Gegensatz dazu enthält selbst Dinkel, je nach Sorte und Anbaubedingung, relevante Mengen dieser potenziell reizenden Proteine. Die Wahl eines genetisch ursprünglichen Korns kann also ein entscheidender Schritt zu einem ruhigeren Bauchgefühl sein, ohne gänzlich auf Getreide verzichten zu müssen.
Es geht also nicht nur um „alt“ gegen „neu“, sondern um eine nachvollziehbare biologische Differenz, die erklärt, warum unser Körper auf verschiedene Getreidearten unterschiedlich reagiert.
Wie verhindern Sie, dass Ihr Dinkelbrot trocken und krümelig wird?
Jeder Hobbybäcker, der sich an Dinkel gewagt hat, kennt die Herausforderung: Der Teig ist oft weicher, klebriger und das fertige Brot neigt dazu, schneller trocken zu werden als sein Weizen-Pendant. Das liegt an der anderen Glutenstruktur des Dinkels. Das Dinkel-Gluten ist dehnbarer, aber weniger stabil. Wer hier mit den gleichen Methoden wie bei Weizen arbeitet, wird unweigerlich enttäuscht. Das Geheimnis für ein saftiges, aromatisches Dinkelbrot mit lockerer Krume und knuspriger Kruste liegt in einer alten, fast vergessenen Technik: dem Einsatz eines Brüh- oder Kochstücks.
Diese traditionelle Methode, die in der Schweizer Bäckertradition tief verwurzelt ist, ist ein Geniestreich der Handwerkskunst. Dabei wird ein kleiner Teil des Mehls mit heissem Wasser aufgekocht. Durch diesen Prozess verkleistert die Stärke und kann ein Vielfaches ihres Eigengewichts an Wasser binden. Dieses „Teig-Gedächtnis“ für Feuchtigkeit wird dann dem Hauptteig zugegeben. Wie die Confiserie Bachmann ihre UrDinkel-Brote verfeinert, zeigt den Wert dieser Methode: Die Basis ist immer ein Vorteig, für den vorsichtig geröstetes Getreide mit Wasser aufgekocht wird. Daraus entsteht ein sogenanntes Kochstück, das 12 bis 24 Stunden reifen muss. Dieser Prozess sorgt nicht nur für eine unglaubliche Saftigkeit, sondern auch für eine natürliche, lockere Porung und eine herrlich knusprige Kruste. Das Brot bleibt tagelang frisch und entwickelt ein tiefes, leicht nussiges Aroma.

Die „Verarbeitungs-Tiefe“, die durch ein solches Kochstück erreicht wird, ist der entscheidende Unterschied zwischen einem trockenen, bröseligen Laib und einem Meisterwerk der Backkunst. Es ist die Geduld, die man dem Teig schenkt, die er einem später in Form von Geschmack und Frische zurückgibt.
So wird aus der Herausforderung Dinkel eine Leidenschaft, die mit jedem Bissen belohnt wird und die Überlegenheit des Handwerks gegenüber der industriellen Eile beweist.
Wo finden Sie echtes Urkorn aus Schweizer Anbau und nicht aus Import?
Die wachsende Beliebtheit von Dinkel hat leider auch eine Kehrseite: Nicht alles, was als Dinkel verkauft wird, entspricht der ursprünglichen Qualität. Oft handelt es sich um moderne Sorten oder Kreuzungen mit Weizen, die zwar ertragreicher sind, aber nicht mehr die typischen Eigenschaften der alten Sorten besitzen. Für Konsumenten in der Schweiz, die Wert auf Authentizität und Herkunft legen, ist das Label „UrDinkel“ der IG Dinkel der wichtigste Kompass. Dieses Label garantiert nicht nur, dass es sich um alte, nicht mit Weizen gekreuzte Schweizer Dinkelsorten wie „Oberkulmer Rotkorn“ oder „Ostros“ handelt, sondern auch, dass der Anbau zu 100 % in der Schweiz nach den Richtlinien von IP-SUISSE oder BIO SUISSE erfolgt ist. Es ist ein Bekenntnis zum „Korn-Terroir“ der Schweiz.
Die Suche nach diesem echten Korn lohnt sich. Im Jahr 2022 belief sich die gesamte Dinkel-Ernte in der Schweiz auf 29’200 Tonnen, ein Beweis dafür, dass dieser Schatz unserer Landwirtschaft lebendig ist. Sie finden UrDinkel-Mehl in vielen Bioläden, Hofläden, Mühlen und bei Bäckereien, die stolz ihre Partnerschaft mit der IG Dinkel deklarieren. Achten Sie auf das Logo und fragen Sie gezielt nach – so unterstützen Sie nicht nur die Schweizer Landwirtschaft, sondern sichern sich auch die bestmögliche Qualität für Ihre Backwaren. Der Unterschied zu anonymem Import-Dinkel ist sowohl im Geschmack als auch in den Backeigenschaften deutlich spürbar.
Um die Unterschiede klar aufzuzeigen, hilft ein direkter Vergleich, der die Vorteile von zertifiziertem Schweizer UrDinkel verdeutlicht.
| Kriterium | Schweizer UrDinkel | Import-Dinkel |
|---|---|---|
| Herkunftsgarantie | 100% Schweiz (IG Dinkel Label) | Oft gemischt/unklar |
| Sortenechtheit | Alte Sorten wie Oberkulmer Rotkorn | Moderne Kreuzungen möglich |
| Geschmack | Nussig-aromatisch | Milder, neutraler |
Ihr Aktionsplan für bewussten Getreidekauf
- Getreidesorte prüfen: Suchen Sie gezielt nach Einkorn für eine potenziell bessere Verträglichkeit oder nach zertifiziertem Schweizer UrDinkel.
- Verarbeitung hinterfragen: Fragen Sie Ihren Bäcker nach der Teigführungszeit. Lange Reifezeiten (über 12 Stunden) und Sauerteig sind Qualitätsmerkmale.
- Labels erkennen: Achten Sie auf das „UrDinkel“ Label der IG Dinkel und auf Bio-Zertifizierungen wie die Knospe von Bio Suisse.
- Regionale Mühlen entdecken: Kaufen Sie Mehl direkt bei einer Mühle in Ihrer Region. Dort erhalten Sie oft eine exzellente Beratung und frischeste Qualität.
- Individuell testen: Jeder Körper reagiert anders. Führen Sie ein Ernährungstagebuch, um herauszufinden, welches Getreide und welche Zubereitungsart Ihnen persönlich am besten bekommt.
Indem Sie auf die Herkunft achten, investieren Sie nicht nur in Ihre eigene Gesundheit, sondern auch in die Erhaltung eines wertvollen landwirtschaftlichen Erbes der Schweiz.
Der gefährliche Irrtum: Warum ist Urgetreide absolut tabu für Zöliakie-Betroffene?
Die positive Wahrnehmung von Urgetreide wie Dinkel, Emmer und Einkorn führt oft zu einem gefährlichen Missverständnis. Viele Menschen glauben, dass diese „alten“ Sorten auch für Personen mit Zöliakie sicher seien. Dies ist ein fataler Irrtum. Zöliakie ist eine ernsthafte Autoimmunerkrankung, bei der das Immunsystem auf Gluten – ein Proteingemisch – reagiert und dabei die Darmschleimhaut schädigt. Alle hier besprochenen Urgetreide sind Weizenarten und enthalten Gluten. Für Zöliakie-Betroffene gibt es daher keine Toleranz: Der Verzehr von Dinkel, Einkorn oder Emmer ist für sie genauso schädlich wie der von modernem Weizen.
Die Verwirrung entsteht durch die Vermischung zweier unterschiedlicher Phänomene: Zöliakie und die Nicht-Zöliakie-Weizensensitivität (NZWS). Bei der NZWS reagieren Betroffene ebenfalls mit Symptomen wie Bauchschmerzen, Blähungen oder Müdigkeit auf Weizenprodukte, jedoch ohne die für Zöliakie typische Autoimmunreaktion und Darmschädigung. Hier scheinen, wie zuvor erwähnt, die Amylase-Trypsin-Inhibitoren (ATIs) eine wesentliche Rolle zu spielen. Für diese Personengruppe kann der Umstieg auf ATI-arme Sorten wie Einkorn tatsächlich eine grosse Erleichterung bringen. Wie Katharina Scherf vom Leibniz-Institut für Lebensmittel-Systembiologie zusammenfasst:
Hinsichtlich der Amylase-Trypsin-Inhibitoren, scheint jedoch Einkorn für Menschen mit Weizenunverträglichkeit die bessere Wahl zu sein.
– Katharina Scherf, Leibniz-Institut für Lebensmittel-Systembiologie
Es ist daher von entscheidender Bedeutung, eine genaue ärztliche Diagnose zu haben. Während eine NZWS Spielraum für Experimente mit Urgetreide lässt, erfordert eine Zöliakie den strikten und lebenslangen Verzicht auf alle glutenhaltigen Getreide. Eine Selbstdiagnose oder das blosse Ausprobieren kann bei einer unentdeckten Zöliakie zu langfristigen Gesundheitsschäden führen.
Die richtige Einordnung der eigenen Beschwerden ist der erste und wichtigste Schritt zu einer passenden und sicheren Ernährungsweise.
Wann ist Ihr Sauerteig reif: Die Geduldsprobe für das perfekte Urkornbrot
Wenn es eine Zutat gibt, die das Herzstück des traditionellen Backhandwerks verkörpert, dann ist es der Sauerteig. Er ist mehr als nur ein Triebmittel; er ist ein lebendiges Ökosystem aus Hefen und Milchsäurebakterien, das dem Brot Leben einhaucht. Gerade bei Urgetreiden wie Dinkel oder Emmer entfaltet der Sauerteig seine volle Magie. Durch die lange Fermentation – die ultimative Form der „Verarbeitungs-Tiefe“ – werden nicht nur komplexe Aromen freigesetzt, sondern auch schwer verdauliche Zucker (FODMAPs) abgebaut. Ein mit Sauerteig gelockertes Urkornbrot ist oft deutlich bekömmlicher. Doch der Weg dorthin ist eine Geduldsprobe, denn der Teig diktiert den Zeitplan, nicht der Bäcker.
Ein reifer Sauerteig ist der Schlüssel zum Erfolg. Doch woran erkennt man den perfekten Moment? Ein reifer Sauerteig ist voller Leben: Er zeigt eine deutliche Wölbung nach oben, ist von zahlreichen Blasen durchzogen und duftet angenehm säuerlich, aber nicht stechend nach Essig. Der ultimative Test ist der Schwimmtest: Geben Sie einen Teelöffel des Sauerteigs in ein Glas mit Wasser. Wenn er an der Oberfläche schwimmt, ist er bereit. Die Gase, die von den Mikroorganismen produziert wurden, geben ihm genug Auftrieb. Sinkt er ab, braucht er noch etwas Zeit und Wärme. Gerade bei den weicheren Teigen von Urgetreiden ist eine stabile Teigstruktur wichtig. Hier hilft die sogenannte Salzsauer-Methode, bei der dem Sauerteigansatz etwas Salz zugefügt wird, um das Teiggerüst zu stabilisieren und eine übermässige Enzymaktivität zu kontrollieren.

Diese Hingabe an den Prozess, das genaue Beobachten und Warten auf den richtigen Zeitpunkt, unterscheidet das Handwerk von der industriellen Produktion. Es ist eine Zusammenarbeit mit der Natur, die am Ende mit einem unvergleichlich schmackhaften und bekömmlichen Brot belohnt wird.
Geduld ist die wichtigste Zutat, die in keinem Rezept steht, aber den grössten Unterschied macht. Sie ist das wahre Geheimnis eines jeden grossartigen Bäckers.
Weissmehl oder Vollkorn: Welches Mehl eignet sich wirklich für Zopf und Wähe?
In der Schweizer Backtradition haben der Sonntagszopf und die saisonale Früchtewähe einen festen Platz. Die Mehlwahl ist hier entscheidend für das Gelingen. Lange galt das klassische Weiss- oder Halbweissmehl als Nonplusultra für einen luftigen, zarten Zopf. Doch die Rückbesinnung auf Urgetreide eröffnet neue, geschmacklich spannende Wege. Ein reiner Vollkornzopf kann schnell trocken und kompakt werden. Die Kunst liegt in der Mischung und der richtigen Technik.
Für einen perfekten UrDinkel-Zopf, der sowohl luftig als auch aromatisch ist, empfehle ich eine Mischung aus 80 % UrDinkel-Halbweissmehl und 20 % frisch gemahlenem UrDinkel-Vollkornmehl. Das Halbweissmehl sorgt für die nötige Lockerheit und eine feine Krume, während der Vollkornanteil eine wunderbare nussige Tiefe und eine schöne, goldgelbe Farbe beisteuert. Bei einer herzhaften Wähe, beispielsweise mit Schweizer Früchten oder einem kräftigen L’Etivaz AOP Käse, darf der Vollkornanteil ruhig höher sein. Hier harmoniert das intensive Aroma des UrDinkel-Vollkornmehls perfekt mit der Füllung. Der Schlüssel zu einem mürben Teig, auch bei hohem Vollkornanteil, ist erneut das Brühstück: Ein Teil des Vollkornmehls wird mit heissem Wasser vorgequollen, was für eine erstaunliche Saftigkeit sorgt.
Die bewusste Entscheidung für Schweizer UrDinkel ist auch ein Statement für die lokale Landwirtschaft, gerade in Zeiten, in denen der Anbau vor Herausforderungen steht. So ist beispielsweise ein Rückgang der Bio-Dinkel-Anbaufläche in der Schweiz 2024 von -15,6% zu verzeichnen. Jeder Kauf von regionalem Mehl trägt dazu bei, diese wertvolle Kulturlandschaft zu erhalten.
Experimentieren Sie mit den Anteilen und entdecken Sie, wie Sie traditionellen Rezepten mit der Wahl des richtigen Korns eine neue, aufregende Geschmacksdimension verleihen können.
Das Wichtigste in Kürze
- Genetik entscheidet: Urgetreide wie Einkorn hat eine einfachere genetische Struktur (weniger Chromosomen) und oft weniger reizende Proteine (ATIs) als moderner Weizen.
- Verarbeitung ist alles: Lange Teigführung mit Sauerteig und Techniken wie das Kochstück bauen schwer verdauliche Stoffe ab, erhöhen die Saftigkeit und verbessern das Aroma.
- Herkunft zählt: Das Schweizer „UrDinkel“-Label garantiert alte, unverfälschte Sorten und unterstützt die lokale Landwirtschaft, ein Bekenntnis zum „Korn-Terroir“.
Vollkornreis oder Parboiled: Welches Korn liefert Energie für den Marathon-Meeting-Tag?
Ein langer Tag voller Meetings erfordert eine Energiequelle, die uns nicht nach kurzer Zeit im Stich lässt. Viele greifen zu schnellen Kohlenhydraten, die zwar einen kurzen Schub geben, aber oft in einem tiefen Nachmittagstief enden. Die Lösung liegt in komplexen Kohlenhydraten, die langsam vom Körper aufgespalten werden und so für ein stabiles, langanhaltendes Energieniveau sorgen. Die Wahl des richtigen Korns ist hierbei entscheidend. Während Parboiled Reis durch seine Vorbehandlung zwar einige Nährstoffe behält, besitzt er einen relativ hohen glykämischen Index, was zu schnelleren Blutzuckerschwankungen führt.
Hier spielen Schweizer Urgetreide ihre Stärke voll aus. Gekochte UrDinkel-Körner oder Schweizer Rollgerste sind wahre Kraftpakete. Sie besitzen einen niedrigen glykämischen Index, was bedeutet, dass die Energie langsam und gleichmässig freigesetzt wird. Dies verhindert Heisshungerattacken und Konzentrationslöcher. Eine selbstgemachte „Büro-Bowl“ ist die perfekte Mahlzeit für einen anspruchsvollen Arbeitstag: Eine Basis aus gekochten UrDinkel-Körnern, kombiniert mit saisonalem Gemüse, hochwertigem Protein wie geraspelter Belper Knolle und gesunden Fetten aus Thurgauer Baumnüssen, liefert alles, was der Körper und Geist für stundenlange Höchstleistung benötigen.
Ein Vergleich der Energielieferanten zeigt deutlich, warum lokale Körner oft die bessere Wahl für nachhaltige Energie sind.
| Getreide | Glykämischer Index | Schweizer Verfügbarkeit | Energie-Dauer |
|---|---|---|---|
| UrDinkel-Körner | Niedrig (45) | Regional verfügbar | 4-5 Stunden |
| Parboiled Reis | Mittel (68) | Import | 2-3 Stunden |
| Schweizer Rollgerste | Niedrig (28) | Lokal | 5-6 Stunden |
Anstatt auf importierte Standardlösungen zu setzen, bietet das „Korn-Terroir“ der Schweiz oft die überlegene Alternative für ein produktives und ausgeglichenes Berufsleben.
Wie kochen Sie mit Schweizer Berglinsen ein Gourmet-Gericht für unter 5 Franken?
Gute, gesunde und schmackhafte Ernährung muss nicht teuer sein. Die Philosophie, die hinter der Wahl von Urgetreide steht – Qualität, Herkunft, Nährwert – lässt sich perfekt auf andere Zutaten übertragen. Ein Paradebeispiel dafür sind Schweizer Berglinsen. Oft im Schatten von importierten Hülsenfrüchten, sind sie ein kulinarischer Schatz, der das Konzept des „Korn-Terroirs“ auf eine neue Ebene hebt. Auf den kargen, kalkhaltigen Böden des Berner Juras, zum Beispiel bei Bio-Höfen in Sauge, entwickeln diese kleinen, festkochenden Linsen ein einzigartig nussiges und erdiges Aroma, das sie von jeder Massenware abhebt.
Die Kombination dieser aromatischen Linsen mit einer weiteren Perle der Schweizer Landwirtschaft, den UrDinkel-Perlen (geschliffene Dinkelkörner), ergibt ein Gericht, das nicht nur unglaublich günstig ist, sondern auch geschmacklich und ernährungsphysiologisch überzeugt. Zusammen ergeben sie ein vollwertiges Protein und liefern komplexe Kohlenhydrate für langanhaltende Sättigung. Ein einfacher Eintopf aus Berglinsen, UrDinkel-Perlen und saisonalem Gemüse aus dem eigenen Garten oder vom Wochenmarkt ist die Essenz einer bewussten und bodenständigen Küche. Es beweist, dass man mit Respekt vor dem Produkt und Wissen um dessen Herkunft auch mit einem kleinen Budget Grosses auf den Teller zaubern kann.
Die Kostenaufstellung für eine grosszügige Portion dieses nahrhaften Gerichts zeigt eindrücklich, wie preiswert eine hochwertige Mahlzeit sein kann.
| Zutat | Menge | Preis CHF |
|---|---|---|
| Schweizer Berglinsen | 100g | 1.20 |
| UrDinkel-Perlen | 80g | 0.80 |
| Saisonales Gemüse | 200g | 1.50 |
| Gewürze & Bouillon | – | 0.50 |
| Total pro Portion | – | 4.00 |
Beginnen Sie noch heute damit, diese einfachen, aber hochwertigen Schweizer Zutaten zu entdecken. Besuchen Sie einen Hofladen oder einen spezialisierten Bioladen und lassen Sie sich von der Vielfalt und dem Geschmack unseres heimischen Terroirs inspirieren, um daraus Ihr eigenes, preiswertes Gourmet-Gericht zu kreieren.
Häufig gestellte Fragen zum Thema Getreideverträglichkeit
Was ist der Unterschied zwischen Zöliakie und ATI-Sensitivität?
ATI sind Eiweisse in Weizen, die das Immunsystem in der Darmschleimhaut aktivieren können, während bei Zöliakie eine klare Autoimmunreaktion auf das Klebereiweiss Gluten vorliegt, die den Darm schädigt. Die pflanzlichen ATI-Proteine werden von den menschlichen Verdauungsenzymen kaum zerlegt und können so bei empfindlichen Personen Reaktionen auslösen.
Können Zöliakie-Betroffene Urgetreide essen?
Nein, absolut nicht. Alle glutenhaltigen Getreide, einschliesslich Dinkel, Emmer und Einkorn, sind für Menschen mit Zöliakie strikt verboten, da sie die für die Krankheit typische Autoimmunreaktion und Darmschädigung auslösen.
Wie teste ich eine ATI-Sensitivität?
Eine ATI-Sensitivität lässt sich bislang nicht durch einen spezifischen Bluttest nachweisen. Der beste Weg zur Klärung ist ein diagnostischer Auslassversuch unter ärztlicher Aufsicht. Dabei wird über einige Wochen auf weizen- bzw. ATI-haltige Produkte verzichtet, um zu beobachten, ob sich die Symptome verbessern.