Veröffentlicht am März 11, 2024

Zusammenfassend:

  • Verstehen Sie, warum saisonales Gemüse besser schmeckt: Der Geschmack geht bei langen Transportwegen und falscher Lagerung verloren.
  • Meistern Sie die Kunst der Lagerung: Mit den richtigen Techniken bleiben Äpfel, Kartoffeln und Kürbisse monatelang frisch und aromatisch.
  • Entdecken Sie vergessene Schätze neu: Pastinaken und Schwarzwurzeln bieten unglaubliche Geschmackstiefe und sind ökologisch wertvoll.
  • Kombinieren Sie klug: Eine duale Einkaufsstrategie (Hofladen & Supermarkt) sichert Ihnen die beste Qualität für eine kreative Winterküche.
  • Konservieren Sie den Sommer: Techniken wie Fermentieren und Dörren bringen Abwechslung und bewahren Nährstoffe und Aromen.

Der Winter in der Schweiz. Draussen ist es kalt und grau, und auf dem Teller wiederholt sich das ewig gleiche Spiel: Rüebli, Kartoffeln, Kohl. Sie sind umweltbewusst, möchten auf importierte Ware verzichten, aber die Monotonie des saisonalen Angebots macht Sie müde. Sie fragen sich, ob die nachhaltige Winterküche zwangsläufig langweilig sein muss und ob Geschmack ein Luxus ist, den man sich nur im Sommer leisten kann. Viele greifen dann doch zur faden, aus Spanien importierten Tomate oder zur wässrigen Erdbeere aus Übersee – und fühlen sich dabei nicht wirklich gut.

Die üblichen Ratschläge sind schnell gegeben: Man solle kreativ sein, neue Gewürze ausprobieren oder das Gemüse rösten statt kochen. Doch das kratzt nur an der Oberfläche des Problems. Was, wenn die wahre Lösung nicht in einem neuen Rezept, sondern in einem neuen Verständnis für die Produkte selbst liegt? Was, wenn Lagergemüse kein Kompromiss, sondern eine kulinarische Schatztruhe voller unentdeckter Potenziale ist?

Dieser Artikel bricht mit dem Mythos der faden Winterküche. Als Profi für regionale Küche zeige ich Ihnen einen anderen Weg. Wir werden nicht nur Rezepte sammeln, sondern die Prinzipien der Aromen-Architektur im Winter erlernen. Wir tauchen ein in die Wissenschaft des Geschmacks, die Kunst der intelligenten Vorratshaltung und das kulinarische Erbe, das in „vergessenen“ Wurzeln wie Pastinaken und Schwarzwurzeln steckt. Sie werden entdecken, dass Winterküche in der Schweiz kein Verzicht, sondern eine Wiederentdeckung ist – eine Chance, mit einfachen Mitteln eine ungeahnte Geschmackstiefe auf den Teller zu zaubern.

Dieser Leitfaden ist Ihr Kompass durch den Schweizer Winter. Er zeigt Ihnen, wie Sie die richtigen Produkte auswählen, sie optimal lagern, kreativ zubereiten und so den Geschmack und die Vielfalt in Ihrer Küche das ganze Jahr über bewahren. Lassen Sie uns gemeinsam die Schätze heben, die direkt vor unserer Haustür liegen.

Warum schmecken Erdbeeren im Dezember in der Schweiz einfach nur nach Wasser?

Jeder kennt die Enttäuschung: Man gönnt sich im tiefsten Winter eine Schale leuchtend roter Erdbeeren, doch der Biss hinein offenbart eine wässrige, fade Leere. Dieses Phänomen ist kein Zufall, sondern das direkte Resultat einer globalisierten Lebensmittelindustrie, die Optik und Haltbarkeit über den Geschmack stellt. Das Kernproblem liegt in der Züchtung und der Logistik. Um die langen Transportwege zu überstehen, werden Sorten bevorzugt, die fest und widerstandsfähig sind. Der Preis dafür ist ein dramatischer Verlust an flüchtigen Aromastoffen, die eine reife, sonnengewärmte Frucht ausmachen.

Eine Analyse zur modernen Erdbeerzucht zeigt, dass in den letzten Jahrzehnten die Züchter ihren Fokus auf Ertrag, Haltbarkeit und Transportfähigkeit legten, statt auf den Geschmack. Die empfindlichen, hocharomatischen Verbindungen, die für das intensive Erdbeeraroma verantwortlich sind, werden bei diesen „Industriesorten“ gezielt weggezüchtet, da sie die Frucht weicher und anfälliger für Druckstellen machen.

Das perfekte Gegenbeispiel ist die fast vergessene Sorte ‚Mieze Schindler‘. Vor rund 100 Jahren in Dresden gezüchtet, gilt sie als absolute Aromabombe, deren Geschmack an intensive Walderdbeeren erinnert. Ihr Nachteil: Sie ist extrem druckempfindlich, kaum transportfähig und wird schon kurz nach dem Pflücken matschig. Sie ist der Inbegriff einer Frucht, die für den direkten Genuss und nicht für den globalen Handel geschaffen wurde. Diese Geschichte illustriert perfekt den Kompromiss, den wir im Supermarkt eingehen: Wir tauschen authentischen Geschmack gegen ganzjährige Verfügbarkeit. Dieselbe Logik gilt für Tomaten, Pfirsiche und viele andere Obst- und Gemüsesorten, die ausserhalb ihrer natürlichen Saison angeboten werden.

Wie lagern Sie Kartoffeln und Äpfel, damit sie monatelang frisch bleiben?

Eine erfolgreiche Winterküche beginnt nicht am Herd, sondern im Keller. Die intelligente Vorratshaltung ist eine fast vergessene Kunst, die darüber entscheidet, ob Ihr Lagergemüse im Februar noch knackig und aromatisch oder bereits schrumpelig und fad ist. Das Geheimnis liegt darin, für jedes Gemüse das richtige Mikroklima zu schaffen. Äpfel und Kartoffeln sind Klassiker, aber die Prinzipien gelten für das gesamte Spektrum des Lagergemüses.

Der ideale Lagerort ist kühl, dunkel und weist eine gewisse Luftfeuchtigkeit auf, um das Austrocknen zu verhindern. Ein traditioneller Naturkeller ist perfekt, aber auch ein kühler, unbeheizter Nebenraum oder eine Garage kann gute Dienste leisten. Wichtig ist ein harmonisches Lagerklima mit möglichst konstanten Bedingungen. Grosse Temperaturschwankungen stressen das Gemüse und beschleunigen den Alterungsprozess. Moderne landwirtschaftliche Lager nutzen heute computergesteuerte Systeme, um diese Bedingungen präzise zu kontrollieren, aber die Grundprinzipien bleiben dieselben.

Jedes Gemüse hat seine eigenen Vorlieben. Hier einige Beispiele für eine optimale Lagerung:

  • Kartoffeln: Absolut dunkel lagern (verhindert die Bildung von giftigem Solanin), kühl (zwischen 4 und 8 Grad) und nicht neben Äpfeln, da diese das Reifegas Ethylen ausströmen, was die Kartoffeln keimen lässt.
  • Äpfel: Kühl und mit hoher Luftfeuchtigkeit. Sorten wie Boskoop oder Idared sind klassische Lageräpfel, die bei richtiger Lagerung sogar an Geschmack gewinnen.
  • Butternusskürbis: Liebt eine konstante Temperatur um 10-14 Grad. Er darf nicht „schwitzen“ und muss trocken gehalten werden. So hält er sich oft bis in den Februar.
  • Süsskartoffeln: Bevorzugen es etwas wärmer als normale Kartoffeln (12-15 Grad) und nicht zu trocken. Richtig gelagert, sind sie bis in den Frühling verwendbar.

Ein gut gefüllter, richtig organisierter Vorrat ist die Schatzkammer Ihrer Winterküche. Er gibt Ihnen die Freiheit, spontan zu kochen, ohne vom wöchentlichen Einkauf abhängig zu sein, und garantiert die bestmögliche Qualität Ihrer Zutaten.

Traditionelle Lagerung von Äpfeln und Kartoffeln in einem Schweizer Kellersystem

Wie dieses Bild einer traditionellen Lagerung zeigt, geht es darum, die natürlichen Eigenschaften der Produkte zu respektieren. Die erdige Textur der Kartoffeln und der feine Wachsfilm auf den Äpfeln sind natürliche Schutzmechanismen, die es zu erhalten gilt.

Schwarzwurzel und Pastinake: Was kochen Sie aus den „dreckigen Wurzeln“?

Sie werden oft als „Winterspargel“ (Schwarzwurzel) oder „die bessere Karotte“ (Pastinake) bezeichnet, doch lange fristeten sie ein Schattendasein im Schweizer Gemüsekorb. Dabei sind diese Wurzeln Teil unseres kulinarischen Erbes und erleben zu Recht eine Renaissance. Sie sind der beste Beweis dafür, dass die Winterküche alles andere als langweilig sein muss. Die Pastinake war über 300 Jahre lang ein Grundnahrungsmittel in Europa, bevor sie von der Kartoffel verdrängt wurde. Ihr Comeback ist beeindruckend: Laut Schweizer Anbaustatistik stieg die Pastinakenernte von 2005 bis 2015 von 12 Tonnen auf über 1’000 Tonnen.

Was macht diese Wurzeln so besonders? Sie besitzen eine wunderbare Geschmackstiefe. Die Pastinake ist süsslich-nussig und leicht herb, die Schwarzwurzel besticht durch ein feines, nussiges Aroma, das an Artischocken erinnert. Der WWF Schweiz stuft die Pastinake sogar als „Future Food“ ein. Sie ist frosthart, exzellent lagerfähig und lässt sich meist ohne Pflanzenschutzmittel anbauen, was ihr ein hohes ökologisches Potenzial verleiht.

Die Zubereitung, insbesondere der Schwarzwurzel, erfordert ein paar Tricks. Ihr Beiname „dreckige Wurzel“ kommt nicht von ungefähr, und beim Schälen sondert sie einen klebrigen, milchigen Saft ab, der die Hände verfärbt.

  • Schutz: Tragen Sie beim Schälen unbedingt Einweghandschuhe.
  • Oxidation verhindern: Legen Sie die geschälten Stangen sofort in eine Schüssel mit Wasser, dem Sie einen Schuss Zitronensaft oder Essig und etwas Mehl beigemischt haben. Das Mehl hilft, den Milchsaft zu binden und verhindert das Nachdunkeln.
  • Zubereitung: Klassisch werden sie wie Spargel in Salzwasser mit etwas Butter und Zitrone gekocht. Sie eignen sich aber auch hervorragend für cremige Suppen, als Gratin oder geröstet aus dem Ofen.

Aktionsplan: So entdecken Sie ein Wintergemüse neu

  1. Pur probieren: Kaufen Sie ein Ihnen unbekanntes Gemüse (z.B. Topinambur). Dämpfen oder rösten Sie es nur mit Salz und gutem Olivenöl, um seinen Eigengeschmack kennenzulernen.
  2. Recherchieren: Suchen Sie nach seinem kulinarischen Erbe. In welchen traditionellen Gerichten wurde es verwendet? Dies gibt oft Aufschluss über klassische Geschmackspaarungen.
  3. Texturen kombinieren: Bereiten Sie das Gemüse auf zwei Arten zu (z.B. als Püree und als knusprige Chips) und servieren Sie es in einem Gericht, um die Spannung zu erhöhen.
  4. Säure & Fett balancieren: Kombinieren Sie das erdige Aroma des Wurzelgemüses mit einer säuerlichen Komponente (z.B. Essig, Zitrone, fermentiertes Gemüse) und einer Fettquelle (z.B. Nüsse, Butter, Käse).
  5. Dokumentieren: Notieren Sie sich gelungene Kombinationen. So bauen Sie über den Winter Ihr persönliches Repertoire an Aromen-Architekturen auf.

Die CO2-Falle: Warum schadet der grüne Spargel aus Peru im Februar dem Klima massiv?

Der Griff zum exotischen Gemüse im Winter befriedigt zwar die Sehnsucht nach Abwechslung, kommt aber oft mit einem unsichtbaren Preisschild: einem enormen CO2-Rucksack. Das extremste Beispiel dafür ist der eingeflogene Spargel aus Südamerika. Während wir uns über die ersten Frühlingsboten freuen, hat dieses Gemüse bereits eine Reise von Tausenden Kilometern hinter sich, die dem Klima massiv schadet.

Eine wegweisende ETH-Studie im Auftrag des WWF hat die Ökobilanz verschiedener Gemüse analysiert. Das Ergebnis ist erschreckend: Eingeflogener Spargel aus Peru verursacht rund 10 Mal mehr Treibhausgase als saisonaler Spargel aus der Region. Der Hauptgrund ist der Transport per Flugzeug. Da Spargel schnell an Frische verliert, ist der Seeweg oft keine Option, was zu einer katastrophalen Klimabilanz führt.

Andere Berechnungen, wie jene von gebana, zeichnen ein noch drastischeres Bild und beziffern den CO2-Ausstoss von einem Kilo Flugspargel auf bis zu 27 kg CO2-Äquivalente. Selbst wenn das Gemüse per Schiff transportiert wird, bleibt die Frage nach dem immensen Wasserverbrauch in den trockenen Anbauregionen Perus. Die Entscheidung im Supermarkt hat also weitreichende globale Konsequenzen.

Die folgende Tabelle, basierend auf Daten des Schweizer Lebensmittelimporteurs Marinello, verdeutlicht die gewaltigen Unterschiede im CO2-Fussabdruck und zeigt, warum die Wahl von saisonalem, lokalem Spargel die einzig klimafreundliche Option ist.

CO2-Emissionen verschiedener Spargeltransporte
Herkunft/Transport kg CO2 pro kg Spargel
Peru (Schiff) 0.9 kg
Mexiko (Flug) 12 kg
Schweiz (saisonal) minimal

Dieses Wissen ist ein mächtiges Werkzeug. Es erlaubt uns, bewusste Entscheidungen zu treffen und die Vorfreude auf den echten, saisonalen Spargel im Frühling als Teil eines genussvollen, nachhaltigen Lebensstils zu kultivieren, anstatt dem Klima mit ungeduldigen Impulskäufen zu schaden.

Einkochen oder Einfrieren: Wie retten Sie den Sommergeschmack in den Winter?

Die beste Methode, um die Monotonie der Winterküche zu durchbrechen, ist, sich die Aromen des Sommers ins Haus zu holen. Konservierung ist keine altmodische Notwendigkeit mehr, sondern eine kreative, kulinarische Technik, um Geschmackstiefe und Vielfalt zu schaffen. Anstatt im Januar auf geschmacksneutrale Import-Tomaten zurückzugreifen, können Sie das intensive Aroma sonnengereifter Schweizer Tomaten aus dem eigenen Vorrat geniessen. Einfrieren ist die schnellste Methode, aber Methoden wie Einkochen, Dörren oder Fermentieren eröffnen völlig neue Geschmackswelten.

Eingekochtes und eingefrorenes Schweizer Gemüse für den Wintervorrat

Wie dieses Bild zeigt, wird die Küche zur Werkstatt, in der die Fülle des Sommers für die kargen Monate haltbar gemacht wird. Das Ergebnis ist nicht nur ein Vorrat, sondern eine Palette an Aromen, die Ihre Wintergerichte transformieren werden. Moderne Interpretationen alter Techniken machen es einfacher und spannender denn je:

  • Fermentieren: Diese nährstoffschonende Methode ist voll im Trend. Anstatt nur Sauerkraut aus Weisskohl herzustellen, können Sie mit Kimchi (einer schärferen, koreanischen Variante) experimentieren oder grüne Bohnen milchsauer einlegen. Fermentiertes Gemüse bringt eine wunderbare Säure und Komplexität in Eintöpfe und Salate.
  • Dörren: Gedörrte Tomaten oder Apfelringe sind Klassiker. Durch den Wasserentzug konzentriert sich der Geschmack explosionsartig. Ein Tomaten-Pesto aus selbstgedörrten Tomaten ist unvergleichlich intensiv.
  • Zero-Waste-Konservierung: Denken Sie über das eigentliche Produkt hinaus. Aus Apfelschalen lässt sich ein aromatischer Essig herstellen, und das oft weggeworfene Grün von Rüebli oder Radieschen ergibt ein würziges Pesto, das sich hervorragend einfrieren lässt.
  • Gezieltes Einfrieren: Selbst anspruchsvolles Gemüse wie Schwarzwurzeln lässt sich konservieren. In Zitronenwasser kurz blanchierte und dann eingefrorene Stücke halten sich bis zu sechs Monate und sind eine schnelle, edle Beilage.

Indem Sie diese Techniken in Ihr Repertoire aufnehmen, werden Sie vom reinen Konsumenten zum Gestalter Ihres kulinarischen Jahres. Sie schaffen sich eine persönliche „Aromen-Bibliothek“, die Ihre Winterküche bereichert und Sie unabhängig vom faden Angebot im Supermarkt macht.

Der Fehler beim Wocheneinkauf: Was bekommen Sie beim Bauern nicht und wie planen Sie das?

Ein häufiger Fehler auf dem Weg zu einer nachhaltigen und abwechslungsreichen Winterküche ist der Versuch, alles an einem Ort zu bekommen. Wer nur im Supermarkt einkauft, verpasst die oft bessere Qualität und die überraschende Vielfalt der Hofläden. Wer hingegen versucht, ausschliesslich beim Bauern einzukaufen, wird schnell feststellen, dass bestimmte Grundnahrungsmittel fehlen. Der Schlüssel liegt in einer dualen Einkaufsstrategie, die das Beste aus beiden Welten kombiniert.

Planen Sie Ihren Einkauf strategisch, um Zeit zu sparen und die Qualität zu maximieren. Die Auswahl an Schweizer Wintergemüse ist viel grösser, als viele denken. Die Saison für viele Sorten dauert von Oktober bis März, und neben den Klassikern warten oft auch Topinambur, Pastinaken oder Schwarzwurzeln darauf, entdeckt zu werden.

Eine effiziente duale Strategie könnte so aussehen:

  1. Der Grosseinkauf im Supermarkt (1x pro Woche/alle 2 Wochen): Hier decken Sie sich mit haltbaren Grundnahrungsmitteln ein, die Sie beim Bauern nicht oder nur zu hohen Preisen bekommen. Dazu gehören:
    • Pasta, Reis, Couscous, Linsen
    • Hochwertiges Olivenöl, Essig, Gewürze
    • Konserven (z.B. gehackte Tomaten für den Notfall)
    • Nüsse und Samen
  2. Der Frische-Einkauf auf dem Bauernmarkt oder im Hofladen (1x pro Woche): Dies ist Ihr Quell für Qualität, Frische und Inspiration. Hier kaufen Sie:
    • Saisonales Gemüse und Obst direkt vom Produzenten
    • Frische Eier
    • Lokalen Käse und Milchprodukte
    • Frisches Brot

Diese Trennung spart nicht nur Stress, sondern fördert auch die Kreativität. Der Besuch auf dem Markt inspiriert dazu, mit dem zu kochen, was gerade Saison hat. Digitale Helfer können diesen Prozess zusätzlich vereinfachen. Apps und Plattformen wie „Vom Hof“ oder „Farmy“ vernetzen Konsumenten direkt mit lokalen Produzenten und machen den Zugang zu hochwertigen, regionalen Produkten noch einfacher. So wird der Einkauf vom lästigen To-do zu einem bewussten Teil des Kocherlebnisses.

Warum sind Tomaten im Januar nicht nur teuer, sondern auch wässrig und fad?

Die Tomate im Januar ist das Sinnbild für die Widersprüche in unserem Ernährungssystem. Sie ist teuer, schmeckt nach nichts und hat obendrein eine miserable Klimabilanz. Das Problem hat zwei Dimensionen: Geschmack und Ökologie. Der fade Geschmack kommt, ähnlich wie bei der Wintererdbeere, durch die fehlende Sonneneinstrahlung während der Reifung und die Ernte im unreifen Zustand, um lange Transportwege zu überstehen.

Noch problematischer ist jedoch die ökologische Seite, insbesondere bei Tomaten, die als „regional“ aus Schweizer Gewächshäusern vermarktet werden. Die erwähnte ETH-Studie im Auftrag des WWF hat die Klimabilanz von 25 Gemüsesorten untersucht und kommt zu einem klaren Ergebnis: Der Anbau in ausserhalb der Saison mit Gas oder Erdöl beheizten Gewächshäusern verursacht besonders hohe CO2-Emissionen. Die Energie, die benötigt wird, um im Winter ein mediterranes Klima künstlich zu erzeugen, ist immens.

Die Studie liefert einen verblüffenden Vergleich: Eine Tomate, die im Mai in einem unbeheizten Folientunnel in Südspanien wächst und in die Schweiz transportiert wird, verursacht bis zu 10 Mal weniger Treibhausgase als eine zur gleichen Zeit in einem beheizten Schweizer Gewächshaus produzierte Tomate. Hier zeigt sich die Komplexität der Thematik: „Regional“ ist nicht automatisch „klimafreundlich“. Die Anbaumethode und die Saisonalität sind die entscheidenden Faktoren.

Diese Erkenntnis ist fundamental für eine ehrliche, nachhaltige Küche. Sie zwingt uns, die Verfügbarkeit von Produkten kritisch zu hinterfragen und die natürliche Saison eines Lebensmittels als oberstes Qualitätsmerkmal anzuerkennen. Die Organisation Naturschutz.ch fasst die Konsequenz treffend zusammen:

Im besten Fall sollten Tomaten während der Saison gekauft werden, wenn deren regionale Produktion im Freiland gewährleistet werden kann – für Tomaten entspricht dies einer Erntezeit zwischen Juli und September.

– Naturschutz.ch, Analyse zur Klimabilanz von Gemüse

Der Verzicht auf Wintertomaten ist also kein Verlust, sondern ein Gewinn an Geschmack und ein aktiver Beitrag zum Klimaschutz.

Das Wichtigste in Kürze

  • Echter Geschmack ist saisonal: Die Qualität und Aromatik von Gemüse hängen direkt von der passenden Jahreszeit und kurzen Transportwegen ab.
  • Lagerung ist eine Kochtechnik: Eine bewusste Vorratshaltung ist kein passiver Akt, sondern die aktive Grundlage für eine kreative und unabhängige Winterküche.
  • Ihre Wahl hat Gewicht: Der bewusste Verzicht auf klimaschädliche Importware und die Wiederentdeckung lokaler Sorten sind ein direkter Beitrag zu mehr Genuss und Nachhaltigkeit.

Kochen nach Kalender: Was kommt im März in der Schweiz auf den Tisch?

Nach den langen, erdigen Monaten des Hochwinters markiert der März einen kulinarischen Wendepunkt. Während der Vorrat an Lagergemüse wie Kürbis und Sellerie langsam zur Neige geht, kündigen die ersten Boten des Frühlings eine neue Geschmacksvielfalt an. Das Kochen nach dem Saisonkalender wird jetzt besonders spannend, da es eine Brücke zwischen den letzten robusten Winteraromen und den ersten zarten, grünen Noten schlägt.

Der Star des Schweizer Vorfrühlings ist unbestritten der Bärlauch. Ab März spriesst er in den Wäldern und Auen und sein intensiver, knoblauchartiger Duft ist das Versprechen auf wärmere Tage. Bärlauch ist unglaublich vielseitig und bringt eine frische, würzige Komponente in die Küche. Er eignet sich perfekt für die Herstellung von Pesto, für die Verfeinerung von Suppen, für würzige Bärlauch-Knöpfli oder einfach als Basis für eine hocharomatische Bärlauch-Butter.

Beim Sammeln ist jedoch höchste Vorsicht geboten. Die Blätter des Bärlauchs können leicht mit denen der hochgiftigen Maiglöckchen oder der Herbstzeitlosen verwechselt werden. Das sicherste Erkennungsmerkmal ist der Geruch: Zerreibt man ein Bärlauchblatt zwischen den Fingern, verströmt es sofort den charakteristischen Knoblauchduft. Bei den giftigen Doppelgängern fehlt dieser komplett. Zudem sollten immer die kantonalen Sammelbestimmungen beachtet werden, um die Bestände zu schützen.

Neben dem Bärlauch beginnt im März auch die Zeit für die ersten zarten Gemüse: Nüsslisalat hat jetzt Hochsaison, und je nach Witterung sind auch die ersten Radieschen oder Frühlingszwiebeln verfügbar. Das Kochen im März ist eine Kunst des Übergangs: Man kombiniert die letzten süssen Pastinaken aus dem Keller mit einem scharfen Bärlauchpesto oder verfeinert einen deftigen Kartoffelsalat mit frischen Frühlingszwiebeln. Es ist die Zeit, in der die Küche wieder leichter, grüner und lebendiger wird und die Vorfreude auf die Fülle des nahenden Sommers weckt.

Beginnen Sie noch heute damit, Ihre Winterküche neu zu entdecken. Besuchen Sie den nächsten Wochenmarkt mit offenen Augen, fragen Sie die Produzenten nach ihren liebsten Lagergemüsen und wagen Sie sich an eine „vergessene“ Wurzel. Sie werden überrascht sein, welche Geschmacksvielfalt direkt vor Ihrer Haustür auf Sie wartet.

Geschrieben von Beat Imhof, Agrarwissenschaftler ETH und Berater für nachhaltige Landwirtschaft im Berner Seeland. Er ist spezialisiert auf Bio-Zertifizierungen, saisonalen Anbau und lokale Lieferketten.