
Zusammenfassend:
- Vergessen Sie radikale Diäten; sie verlangsamen Ihren Stoffwechsel (metabolische Anpassung). Ein moderates Defizit ist der Schweizer Weg.
- Strukturieren Sie jede Mahlzeit nach dem Schweizer Tellermodell: 50% Gemüse, 25% Proteine und 25% Kohlenhydrate.
- Fokus auf Proteinqualität (biologische Wertigkeit) und Timing ist entscheidend, um Muskelmasse zu erhalten und die Sättigung zu maximieren.
- Wählen Sie lokale, unraffinierte Kohlenhydrate wie Urdinkel, um den Blutzucker stabil zu halten und Heisshunger zu vermeiden.
Der endlose Zyklus aus strengen Diäten, mühsamem Kalorienzählen und dem frustrierenden Jojo-Effekt ist für viele ein bekanntes Leiden. Sie halten sich diszipliniert an eine niedrige Kalorienvorgabe, hungern und verzichten, nur um festzustellen, dass die Waage stagniert oder das Gewicht nach kurzer Zeit zurückkehrt. Diese Erfahrung hinterlässt oft das Gefühl des Versagens und die Überzeugung, dass Abnehmen ein unmöglicher Kampf ist. Die gängigen Ratschläge – weniger essen, mehr bewegen – sind zwar gut gemeint, aber greifen zu kurz und ignorieren die komplexen Prozesse in unserem Körper.
Die meisten Diätansätze konzentrieren sich auf eine rein mathematische Grösse: die Kalorie. Doch was, wenn die wahre Lösung nicht im Zählen, sondern im intelligenten Kombinieren liegt? Was, wenn die Komposition Ihres Tellers eine viel grössere Rolle für Ihren Stoffwechsel, Ihre Sättigung und Ihren langfristigen Erfolg spielt als die reine Kalorienzahl? Die Antwort liegt in der biochemischen Synergie der Lebensmittel. Es geht darum zu verstehen, wie Proteine, Fette und Kohlenhydrate zusammenwirken, um Ihren Körper von einem Speichermodus in einen effizienten Verbrennungsmodus zu versetzen.
Dieser Artikel bricht mit dem Mythos des Kalorienzählens und führt Sie in die Prinzipien einer nachhaltigen, wissenschaftlich fundierten Ernährung ein, die tief in der Schweizer Esskultur verwurzelt ist. Wir werden entschlüsseln, warum Ihr Körper bei zu wenigen Kalorien auf Sparflamme schaltet und wie Sie stattdessen mit der richtigen Portionierung Ihren Stoffwechsel aktiv halten. Entdecken Sie, welche Energielieferanten Sie wirklich satt machen, wie Sie wertvolle Muskelmasse schützen und warum Sie sich manchmal trotz „gesunder“ Ernährung müde fühlen. Bereiten Sie sich darauf vor, Ihren Teller mit neuen Augen zu sehen.
Um Ihnen eine klare Struktur für diesen neuen Ansatz zu bieten, gliedert sich der Artikel in verschiedene Kernbereiche. Der folgende Überblick zeigt Ihnen die Themen, die wir Schritt für Schritt behandeln werden, um Ihnen ein umfassendes Verständnis für ein Abnehmen ohne Zwang zu vermitteln.
Inhaltsverzeichnis: Der Weg zum Abnehmen ohne Kalorienzählen
- Warum nehmen Sie trotz 1200 Kalorien am Tag nicht mehr ab?
- Wie sieht die ideale Portionierung von Kohlenhydraten, Proteinen und Fetten aus?
- Pasta oder Quinoa: Welcher Energielieferant hält Sie wirklich satt?
- Der Fehler beim Abnehmen, der Sie wertvolle Muskelmasse kostet
- App oder Intuition: Wann hilft Ihnen das Tracken von Makros wirklich?
- Warum ist die Kombination aus Ei und Kartoffel besser als ein Steak allein?
- Wie regulieren unraffinierte Lebensmittel Ihren Blutzucker über 4 Stunden?
- Warum fühlen Sie sich trotz gesunder Ernährung oft müde und antriebslos?
Warum nehmen Sie trotz 1200 Kalorien am Tag nicht mehr ab?
Die Annahme, dass eine drastische Kalorienreduktion automatisch zu einem stetigen Gewichtsverlust führt, ist einer der grössten Mythen in der Welt der Diäten. Wenn Sie Ihre Zufuhr auf ein Minimum wie 1200 Kalorien drosseln, reagiert Ihr Körper mit einem uralten Schutzmechanismus: der metabolischen Anpassung. Er interpretiert die geringe Energiezufuhr als Hungersnot und schaltet auf Sparflamme. Studien zeigen, dass in solchen Phasen der Körper seinen Grundumsatz um 10-25% senken kann. Das bedeutet, er verbrennt in Ruhe weniger Energie, um seine Reserven zu schützen. Plötzlich wird das Abnehmen trotz extremer Disziplin unmöglich.
Dieser „Hungerstoffwechsel“ führt nicht nur zur Stagnation auf der Waage, sondern auch zu unerwünschten Nebenwirkungen wie Müdigkeit, Konzentrationsschwäche und dem Abbau wertvoller Muskelmasse. Der Körper opfert lieber energieverbrauchende Muskeln als seine Fettdepots. Anstatt also auf Crash-Diäten zu setzen, empfehlen Schweizer Adipositas-Experten einen nachhaltigeren Ansatz. Das Ziel ist ein moderates, aber stetiges tägliches Energiedefizit von etwa 500 kcal unter dem tatsächlichen Verbrauch. Dieser Weg verhindert die drastische metabolische Anpassung und ermöglicht es dem Körper, Fett abzubauen, ohne in einen Panikmodus zu verfallen.
Der Schlüssel liegt also nicht darin, so wenig wie möglich zu essen, sondern die richtige Balance zu finden, die ein gesundes Defizit schafft, ohne den Stoffwechsel lahmzulegen. Es ist ein strategisches Vorgehen, das den Körper als Partner und nicht als Gegner betrachtet.
Wie sieht die ideale Portionierung von Kohlenhydraten, Proteinen und Fetten aus?
Nachdem wir verstanden haben, dass extremes Kaloriensparen kontraproduktiv ist, stellt sich die Frage: Wie sieht eine Mahlzeit aus, die sättigt, nährt und den Fettabbau unterstützt? Die Antwort liegt nicht in komplexen Berechnungen, sondern in einem einfachen, visuellen Konzept: dem Schweizer Tellermodell. Dieses von der Schweizerischen Gesellschaft für Ernährung (SGE) empfohlene Modell ist das Fundament für eine ausgewogene Ernährung ohne Zählen.
Die Regel ist bestechend einfach: Teilen Sie Ihren Teller gedanklich in drei Bereiche auf. Die Hälfte (50%) füllen Sie mit Gemüse und/oder Salat. Ein Viertel (25%) ist für proteinreiche Lebensmittel wie Fisch, Fleisch, Eier, Käse oder Hülsenfrüchte reserviert. Das letzte Viertel (25%) gehört den Kohlenhydratbeilagen wie Kartoffeln, Brot, Pasta oder Reis. Diese Struktur stellt sicher, dass Sie reichlich Ballaststoffe, Vitamine und Mineralstoffe (aus dem Gemüse), ausreichend Baustoffe für Muskeln und Sättigung (aus den Proteinen) und genug Energie für Gehirn und Körper (aus den Kohlenhydraten) erhalten.

Wie die visuelle Darstellung zeigt, sorgt dieses Prinzip für eine ausgewogene Makronährstoffverteilung bei jeder Mahlzeit. Um die Mengen im Alltag noch einfacher zu gestalten, können Sie die „Hand-Regel“ anwenden:
- Kohlenhydrate: Eine faustgrosse Portion (z.B. Hörnli, Rösti oder Kartoffeln).
- Proteine: Eine handflächengrosse Portion (z.B. ein Felchenfilet oder Pouletbrust).
- Fette: Eine daumengrosse Portion (z.B. ein Stück Alpkäse oder eine Portion Nüsse).
- Gemüse: Zwei Hände voll (z.B. Salat oder gedämpfter Fenchel).
Dieses Vorgehen verlagert den Fokus von der abstrakten Kalorie auf die konkrete, sichtbare Zusammensetzung der Mahlzeit. Es ist ein intuitives Werkzeug, das Ihnen hilft, die Kontrolle über Ihre Ernährung zurückzugewinnen. Im Folgenden sehen Sie eine Übersicht mit typischen Schweizer Lebensmitteln.
| Lebensmittelgruppe | Anteil am Teller | Schweizer Beispiele |
|---|---|---|
| Gemüse/Obst | 50% | Rüebli, Kabis, Fenchel |
| Proteine | 25% | Felchenfilet, Alpkäse, Bio-Eier |
| Kohlenhydrate | 25% | Urdinkel-Brot, Rösti, Hörnli |
Pasta oder Quinoa: Welcher Energielieferant hält Sie wirklich satt?
Die Kohlenhydrat-Frage ist oft von Unsicherheit geprägt. Während die einen Pasta verteufeln, schwören die anderen auf exotische Superfoods wie Quinoa. Doch die Wahrheit ist nuancierter und liegt im Konzept des Sättigungsindex und des Blutzuckerverlaufs. Es geht nicht nur darum, welche Kohlenhydratquelle Sie wählen, sondern um deren Qualität. Der Schlüssel zu langanhaltender Sättigung sind komplexe Kohlenhydrate und Ballaststoffe. Diese werden vom Körper langsamer verdaut, führen zu einem stabileren Blutzuckerspiegel und verhindern so Heisshungerattacken.
Während Quinoa sicherlich eine gute Wahl ist, lohnt sich ein Blick auf lokale, traditionelle Alternativen. Eine Studie zeigt, dass lokale Alternativen wie Urdinkel, Emmer oder Einkorn eine nährstoffreiche und nachhaltige Option darstellen. Diese traditionellen Schweizer Getreidesorten haben nicht nur einen geringeren ökologischen Fussabdruck als importierte Produkte, sondern liefern durch ihren hohen Ballaststoffgehalt auch eine exzellente, langanhaltende Sättigung. Ein Brot aus Urdinkel-Vollkornmehl hält Sie beispielsweise deutlich länger satt als ein Weissbrot.
Es geht also weniger um ein „entweder/oder“ als um ein „wie“. Selbst ein klassisches Frühstück lässt sich optimieren. Barbara Steffen, Diätköchin und Ernährungs-Psychologische Beraterin, rät: „Wer sein klassisches Frühstück gemäss dem ausgewogenen Teller gestalten will, ergänzt sein Konfi-Brot mit einem Stück Käse und einem Naturjoghurt mit Früchten.“ Diese Ergänzung mit Protein und Fett verlangsamt die Zuckeraufnahme und erhöht die Sättigung. Die Wahl des richtigen Energielieferanten ist somit immer eine Frage der Vollwertigkeit und der intelligenten Kombination.
Der Fehler beim Abnehmen, der Sie wertvolle Muskelmasse kostet
Einer der gravierendsten und häufigsten Fehler beim Versuch, Gewicht zu verlieren, ist die unzureichende Zufuhr von Proteinen. In dem Bestreben, Kalorien zu sparen, werden oft auch proteinreiche Lebensmittel reduziert. Dies hat fatale Folgen: Der Körper beginnt, anstelle von Fettreserven seine eigene Muskelmasse abzubauen, um Energie zu gewinnen. Dieser Prozess wird als Katabolismus bezeichnet. Der Verlust von Muskelmasse ist doppelt problematisch: Muskeln sind unser wichtigster „Motor“ für die Fettverbrennung. Weniger Muskeln bedeuten einen niedrigeren Grundumsatz, was das Abnehmen weiter erschwert und den Jojo-Effekt praktisch vorprogrammiert.
Dieses Phänomen wird auch bei unsachgemässer Anwendung von Abnehmmedikamenten beobachtet, bei denen häufig der Abbau von Magermasse – zu der auch Muskeln und Knochen gehören – ebenfalls beobachtet wird. Das Prinzip ist dasselbe: Ein Kaloriendefizit ohne ausreichenden „Muskelschutz“ durch Proteine ist schädlich. Um diesem Fehler entgegenzuwirken, ist es entscheidend, nicht nur auf die Gesamtmenge, sondern auch auf das Timing der Proteinzufuhr zu achten. Eine gleichmässige Verteilung über den Tag hilft, den Muskelaufbau (Anabolismus) konstant zu stimulieren und den Abbau zu verhindern.
Die richtige Strategie sichert nicht nur Ihre Muskeln, sondern erhöht auch die Sättigung, da Proteine länger im Magen verweilen und den Blutzuckerspiegel stabilisieren. Die folgende Checkliste zeigt, wie Sie Ihr Protein-Timing im typischen Schweizer Alltag einfach optimieren können.
Ihr Aktionsplan: Protein-Timing im Schweizer Alltag meistern
- Morgens starten: Ersetzen Sie das Gipfeli durch Magerquark mit Früchten oder ein Birchermüesli mit Nüssen, um den Körper nach der nächtlichen Fastenphase mit Proteinen zu versorgen.
- Mittags auftanken: Stellen Sie sicher, dass Ihre Hauptmahlzeit eine qualitativ hochwertige Proteinquelle wie Fisch, Hülsenfrüchte oder ein Stück mageres Fleisch enthält, um die Sättigung bis zum Abend zu gewährleisten.
- Nachmittagstief überwinden: Greifen Sie statt zu Süssem zu einem proteinreichen Snack wie einem Stück Alpkäse, einer Handvoll Nüsse oder einem hartgekochten Ei.
- Nach dem Sport regenerieren: Nehmen Sie innerhalb von 30 Minuten nach dem Training einen Molke-Drink, ein Glas Milch oder ein hartgekochtes Ei zu sich, um die Muskelreparatur optimal zu unterstützen.
- Abends leicht bleiben: Eine proteinreiche, aber kohlenhydratarme Mahlzeit wie ein grosser Salat mit Pouletstreifen oder ein Omelett mit Gemüse fördert die Regeneration über Nacht.
App oder Intuition: Wann hilft Ihnen das Tracken von Makros wirklich?
In der heutigen digitalen Welt scheint es für alles eine App zu geben, auch für die Ernährung. Das ständige Zählen, Wiegen und Eintragen von Mahlzeiten kann jedoch schnell zu Stress und einer ungesunden Besessenheit führen. Wie Helen, Ernährungsberaterin bei Oviva, betont, ist dies oft kein nachhaltiger Weg: „Warum Kalorien zählen oft nicht langfristig funktioniert und wie du auch ohne Zählen, Wiegen oder App-Stress erfolgreich abnimmst“. Der Fokus sollte sich von der reinen Zahl auf das Gefühl für den eigenen Körper verlagern – das sogenannte intuitive Essen.
Doch der Weg zur reinen Intuition kann steinig sein, besonders wenn man jahrelang falsche Essgewohnheiten praktiziert hat. Hier können moderne Tools wie Ernährungs-Apps eine wertvolle, aber zeitlich begrenzte Rolle als Lernwerkzeug spielen. Anstatt sie als Kontrollinstrument zu missbrauchen, kann man sie für einige Wochen nutzen, um ein Gefühl für die richtigen Portionsgrössen und die Makronährstoffverteilung des Tellermodells zu entwickeln. Sie tracken nicht, um sich zu bestrafen, sondern um zu lernen: „Aha, so sieht eine Portion von 25% Proteinen aus“ oder „Diese Mahlzeit hatte zu wenig Gemüse“.
Der Erfolg von Henry P. illustriert diesen Ansatz perfekt. In seinem Erfahrungsbericht heisst es: „Ich habe mit der Oviva App eine kontinuierliche Gewichtsreduzierung von 12 kg erreicht.“ Der Schlüssel hierbei ist, dass Apps wie Oviva oft nicht auf striktes Kalorienzählen setzen, sondern auf visuelles Feedback durch Essensfotos und die Begleitung durch Fachpersonen. Das Ziel ist es, die Prinzipien einer ausgewogenen Ernährung so zu verinnerlichen, dass die App irgendwann überflüssig wird und die Intuition die Führung übernehmen kann. Das Tracken ist also kein Ziel an sich, sondern eine Brücke zur Selbstständigkeit.
Warum ist die Kombination aus Ei und Kartoffel besser als ein Steak allein?
Wenn es um Proteine geht, ist nicht nur die Menge, sondern vor allem die Qualität entscheidend. Ein zentrales Mass dafür ist die biologische Wertigkeit. Dieser Wert gibt an, wie effizient der Körper das Protein aus einem Lebensmittel in körpereigenes Protein, also zum Beispiel in Muskelmasse, umwandeln kann. Je ähnlicher die Aminosäurezusammensetzung eines Lebensmittels der des menschlichen Körpers ist, desto höher ist seine biologische Wertigkeit. Als Referenzwert dient das Vollei mit einer Wertigkeit von 100.
Ein Steak hat zwar viel Protein, aber seine biologische Wertigkeit liegt unter der von Ei. Der eigentliche Clou liegt jedoch in der Kombination verschiedener Proteinquellen. Durch die Mischung von Lebensmitteln, deren Aminosäureprofile sich gegenseitig ergänzen, kann eine biologische Wertigkeit erreicht werden, die weit über der der einzelnen Komponenten liegt. Das Paradebeispiel hierfür ist eine traditionelle Schweizer Mahlzeit: Gschwellti mit Ei. Während Kartoffeln allein eine gute Wertigkeit haben, explodiert diese in Kombination mit Ei. Kartoffeln (98-100) und Ei (100) kombiniert ergeben eine biologische Wertigkeit von 137 – der höchste bekannte Wert.

Diese Synergie bedeutet, dass der Körper aus dieser Kombination extrem effizient Muskeln aufbauen und erhalten kann – weitaus besser als aus einem Steak allein. Dieses Prinzip gilt für viele weitere Kombinationen, die in der traditionellen Küche intuitiv richtig gemacht werden: Roggenbrot mit Hüttenkäse, Polenta mit Bohnenragout oder das klassische Birchermüesli mit Nüssen und Milchprodukten. Es beweist, dass eine intelligente, pflanzenbetonte Ernährung oft eine höhere Proteinqualität liefern kann als eine rein auf Fleisch basierende.
Wie regulieren unraffinierte Lebensmittel Ihren Blutzucker über 4 Stunden?
Ein stabiler Blutzuckerspiegel ist das A und O, um Heisshunger zu kontrollieren und die Fettverbrennung am Laufen zu halten. Mahlzeiten, die reich an einfachen Zuckern und raffinierten Kohlenhydraten sind (z.B. Weissbrot, Süssgetränke, Fertiggerichte), lassen den Blutzucker schnell in die Höhe schiessen. Der Körper reagiert mit einer massiven Insulinausschüttung, um den Zucker aus dem Blut zu schaffen. Das Ergebnis: Der Blutzuckerspiegel fällt genauso schnell wieder ab, oft sogar unter das Ausgangsniveau. Diese Unterzuckerung signalisiert dem Gehirn „Energiekrise!“ und löst den nächsten Heisshunger aus – ein Teufelskreis.
Unraffinierte, vollwertige Lebensmittel wirken genau entgegengesetzt. Ihr Geheimnis liegt in den Ballaststoffen. Diese unverdaulichen Pflanzenfasern bilden im Magen eine Art Gel, das die Aufnahme von Zucker ins Blut stark verlangsamt. Anstelle einer Blutzuckerspitze erleben Sie einen sanften, langanhaltenden Anstieg und Abfall. Dies sorgt für eine gleichmässige Energiefreisetzung über mehrere Stunden.
Fallbeispiel: Blutzuckerverlauf nach einem traditionellen Birchermüesli
Ein hervorragendes Beispiel aus der Schweizer Küche ist das Birchermüesli. Eine selbstgemachte Variante mit Haferflocken (reich an Ballaststoffen), einem geriebenen Apfel (mit Pektin), Nüssen (mit gesunden Fetten und Proteinen) und Naturjoghurt zeigt in Messungen einen bemerkenswert stabilen Blutzuckerverlauf über einen Zeitraum von bis zu vier Stunden. Im Gegensatz dazu führt eine zuckerhaltige Fertigmischung aus dem Supermarkt zu den typischen, starken Schwankungen, die bereits nach kurzer Zeit wieder zu Hunger führen. Dies verdeutlicht eindrücklich, wie entscheidend die Wahl und Verarbeitung der Zutaten ist.
Zusätzlich zu den Ballaststoffen spielt auch hier das Protein eine entscheidende Rolle. Wie Experten bestätigen, wird eine nachhaltige Sättigung dagegen besser durch eiweisshaltige Speisen erreicht. Die Kombination aus komplexen Kohlenhydraten, Ballaststoffen und Proteinen gemäss dem Tellermodell ist die wirksamste Strategie für eine Blutzuckerstabilität über viele Stunden.
Das Wichtigste in Kürze
- Crash-Diäten sind durch die metabolische Anpassung zum Scheitern verurteilt. Ein moderates Defizit ist der einzige nachhaltige Weg.
- Das Schweizer Tellermodell (50% Gemüse, 25% Protein, 25% Kohlenhydrate) ist das einfachste und effektivste Werkzeug, um Mahlzeiten ausgewogen zu gestalten.
- Die Qualität und Kombination von Proteinen (biologische Wertigkeit) ist entscheidender als die reine Menge, um Muskeln zu schützen und die Sättigung zu maximieren.
Warum fühlen Sie sich trotz gesunder Ernährung oft müde und antriebslos?
Sie essen Salate, meiden Süssigkeiten und kochen frisch – und fühlen sich trotzdem oft schlapp und energielos. Dieses frustrierende Phänomen hat meist zwei Hauptursachen, die oft übersehen werden. Die erste ist paradox: Sie essen zwar gesund, aber zu wenig. Wie wir gelernt haben, reagiert der Körper auf eine zu geringe Energiezufuhr, indem er den Stoffwechsel drosselt. Eine Analyse von Oviva Schweiz fasst es treffend zusammen:
Nach einiger Zeit stellt sich der Körper aber darauf ein, dass nun offenbar ‚magere‘ Tage angebrochen sind, verändert seine Hormonbalance und drosselt dadurch den Grundumsatz. So wird zum Beispiel weniger Energie für Muskeln und Gehirn bereitgestellt. Muskelmasse wird abgebaut.
– Oviva Schweiz, Stillstand beim Abnehmen
Die zweite häufige Ursache ist ein unbemerkter Mangel an essentiellen Mikronährstoffen. Auch eine „gesunde“ Ernährung kann einseitig sein und zu Defiziten führen, die sich direkt auf Ihr Energieniveau auswirken. Gerade im Schweizer Mittelland ist dies ein relevantes Thema.
- Vitamin D: Besonders in den sonnenarmen Monaten von Oktober bis März ist ein Mangel in der Schweiz weit verbreitet. Ein niedriger Vitamin-D-Spiegel ist eine bekannte Ursache für Müdigkeit. Eine ärztliche Überprüfung des Spiegels ist ratsam.
- Elektrolyte: Wenn Sie viel Sport treiben und schwitzen, verlieren Sie wichtige Mineralien wie Natrium, Kalium und Magnesium. Ein Mangel kann zu Leistungseinbrüchen und Erschöpfung führen. Eine Prise Salz im Wasser oder eine Bouillon nach dem Sport kann helfen.
- Versteckte Zucker: Viele als „gesund“ vermarktete Produkte (z.B. Fruchtsäfte, Müsliriegel, Light-Produkte) enthalten versteckte Zucker, die Ihren Blutzucker Achterbahn fahren lassen und zu Energietiefs führen.
Eine wirklich gesunde Ernährung ist also nicht nur eine Frage der Makro-, sondern auch der Mikronährstoffe. Sie muss den Körper ausreichend versorgen, um den Stoffwechsel hoch und das Energieniveau stabil zu halten.
Beginnen Sie noch heute damit, diese ganzheitliche Sichtweise auf Ihre Ernährung anzuwenden. Beobachten Sie nicht nur, was Sie essen, sondern wie Sie es kombinieren und wie Ihr Körper darauf reagiert. Der Weg zu nachhaltigem Wohlbefinden und einem gesunden Gewicht ist kein Sprint, sondern eine bewusste und genussvolle Reise.
Häufig gestellte Fragen zum gesunden Abnehmen
Warum hat die Ei-Kartoffel-Kombination eine so hohe biologische Wertigkeit?
Die Aminosäureprofile von Ei und Kartoffel ergänzen sich optimal. Das Verhältnis von 36% Vollei zu 64% Kartoffeln erreicht die höchste bekannte biologische Wertigkeit, da die limitierenden Aminosäuren der einen Komponente durch die andere ausgeglichen werden.
Ist diese Kombination auch für Sportler geeignet?
Ja, absolut. Besonders nach dem Training unterstützt diese Mahlzeit durch die hohe Proteinqualität und die enthaltenen Kohlenhydrate optimal die Muskelregeneration und das Wiederauffüllen der Energiespeicher.
Welche anderen Schweizer Power-Kombis gibt es?
Viele traditionelle Gerichte nutzen dieses Prinzip intuitiv. Beispiele sind Roggenbrot mit Hüttenkäse, Polenta mit Bohnenragout oder ein klassisches Birchermüesli mit Haferflocken, Milchprodukten und Nüssen. Sie alle bieten eine erhöhte biologische Wertigkeit.